124 3. Teil. Die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.
Arbeit. Alles wird von dieser sog. Generallinie aus gewertet.
Nur die Kunst hat Rechte, welche dieser Generallinie dient. Syste-
matisch werden auch aus der sog. schönen Literatur alle sog. rein-
künstlerischen Erscheinungen ausgeschaltet. Es gibt nur Tendenz-
kunst, die Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung ist. Daher
hat nur die Kunst ein Existenzrecht, welche die gesellschaftliche
Entwicklung in bolschewistischem Sinne fördert. Mag sein, daß
sich von dieser Einstellung aus auch bedeutende Leistungen er-
zielen lassen. Die russischen Filme sind ein technisch vollendeter
Ausdruck dieser Mentalität, die in Politik und Wirtschaft das
letzte und höchste sieht, die den Klassenkampf feiert und die
Ausbeutung der Massen enthüllt. Es können auch Romane und
Dichtungen entstehen, in denen sich der Aufschwung der Massen,
ihr Glaube an Technik und Industrie usw. in lebendiger Weise
äußern. Es gelingt dem Bolschewismus, alle Kräfte für sich zu
beschlagnahmen, und von da aus werden ihm gelegentlich geradezu
dämonische Wirkungen möglich ®,
Aber es darf nicht verkannt werden, daß das alles auf Kosten
der Buntheit und Mannigfaltigkeit des Lebens, auf Kosten des
Menschen geschieht. Der einzelne wird ausgelöscht und aus-
geschaltet, ganz bewußt, ganz systematisch. Seine Aktivität darf
tur rein politisch sein und sich in den Grenzen der Generallinie
bewegen. Das Entscheidende dabei ist die Verengung des Welt-
horizontes. Es gibt nur technische und politische Wirklichkeiten,
die in bestimmten Schlagworten vorgetragen werden. Von vorn-
herein wird das Verständnis für alles, was über sie reicht, sich
sicht in sie pressen läßt, ausgeschaltet und vernichtet. Gesellschaft
und Wirtschaft als einzige Wirklichkeiten lassen selbstverständlich
keinen Raum für Religion. Die Religion lenkt ja von ihnen ab,
sie erzeugt ja Interesse für Welten, die nicht nur irdische Gesell-
schaft und Politik als einzige Wirklichkeiten kennen. Es gibt keine
Meinungs- und Diskussionsfreiheit; denn das könnte ja den Glau-
ben an die Selbstverständlichkeit und Überlegenheit des Bolsche-
wismus erschüttern. Alles muß von vornherein in eine bestimmte
Ausdrucksweise gepreßt werden, sonst kann es ja nicht der bol-
schewistischen Propaganda dienen. Gewiß kann auf diese Weise
die Arbeitsintensität gesteigert, eine einheitliche Mentalität in der
Jugend verbreitet werden, aber all das geschieht auf Kosten des
wahren Menschen. Die Bolschewisten werden da natürlich ent-
gegnen, daß sie den wahren Menschen an Stelle des parasitären
setzen wollen, der sich um Unnötiges kümmere, die Massenaus-
beutunz zulasse, stütze und rechtfertige, aber es läßt sich mit