Die Typen der Bolschewisten. 139
iutionslyriker noch der Generalsekretär wurden von ihm an die
Spitze der Partei gelassen. Er benützte die Organisation der
Partei, seine führende Stellung in ihr, die auf keiner Satzung,
sondern auf seiner persönlichen Autorität beruhte, um die Partei
zu erziehen.

„Lenin als Erzieher“, so möchte man einen großen Teil seiner
Tätigkeit nach 1917 bezeichnen‘. Da warnt er vor Formalismus,
Bürokratismus, vor der Kinderkrankheit des sog. Linkskommunis-
mus, der nur auf der Unfähigkeit beruht, aus den Erfahrungen der
Tagesarbeit zu lernen und Ausdruck kleinbürgerlicher Lebens-
einstellung ist, die zwischen hysterischer Begeisterung, Über-
schätzung des Entwicklungstempos und Panik wechselt. Da
tadelt er alle Versuche, für seine Sondermeinung durch taktisch
geschickte Fraktionsbildung zu kämpfen und nicht durch sachliche
Argumente, durch Mitarbeit an Kommissionen. Da wendet er sich
gegen giftige Methoden der Parteipolemik usw. Es geht ihm
darum, die Partei zu einer Schule von Männern und Frauen zu
machen, welche zugleich revolutionäre Marxisten und Praktiker
sind. Die Partei soll dazu dienen, die neuen, zur Führung beru-
fenen Schichten als Schule für das Proletariat zu erziehen. Sie
sollen lernen, zu verwalten, zu organisieren, die Wirtschaft zu
bestimmen. Die Partei soll wahre Sachkenner heranbilden, um
gerade dadurch an Stelle der alten sachfremden, höchstens tech-
nisch geschickten Bürokratie eine unmittelbare Regierung und
Verwaltung durch die Massen, durch die Gesellschaft zu setzen.

Aber gerade diese Betonung der Praxis und ihre Verbindung
mit einer festen, wenn auch biegsamen Doktrin führte dazu, daß
in der Partei nach dem Ausscheiden von Lenin sich ganz be-
stimmte Ausleseprinzipien zeigten. Der Praktizismus führte zu
einer Abschnürung aller Diskussionsfreiheit, zum Vorherrschen des

Praktikertypus, für den die Doktrin zu einem starren, leicht

faßbaren Schema wurde, das nur allgemein genug sein mußte,

um alle taktischen Manöver zu erlauben und zu rechtfertigen.

Der Sekretär bemächtigte sich der Partei. Gewiß, ein Sekretär,

der zugleich ein ungemein geschickter Taktiker war, sich also an

das Leben anzupassen verstand, aber doch ein Sekretär blieb, der
keine neuen Ideen hatte, sondern nur die alten organisierte und
anwandte, als der „treueste Schüler“ des Meisters. Da war kein

Raum mehr für Diskussionen, da siegte die Auffassung der Partei

als einer Zwangsmaschine über alle Versuche, sie in eine Schule

sich gegenseitig Erziehender zu verwandeln. Die dabei er-
folgende Auslese, die Verdrängung aller Intellektuellen durch die