Die Parteiorganisation.

143

dank der Auswahl der Parteibeamten, die wiederum die Zusammen-
setzung der Parteizellen beeinflussen können usW.

Die Parteileitung bestimmt die Zusammensetzung der Staats-
behörden, also des Rates der Volkskommissare, des revolutionären
Kriegsrates, an dessen Spitze der Kriegskommissar steht usw.
Der Vollzugsausschuß des Rätekongresses und sein Präsidium
sind nur Instrumente, die nach dem Ermessen der Parteileitung
zusammengesetzt und gehandhabt werden. Jede Bundesrepublik
hat eine eigene Partei, die ebenso organisiert ist wie die gesamte
Bundespartei, aber der Föderalismus ist in der Partei ebenso eine
Fiktion wie in der Staatsverfassung. Der Zentralismus wird im
Parteiapparat durch die Möglichkeit für die Zentralinstanz, un-
mittelbar einzugreifen, garantiert. Es ist also nicht möglich, daß
eine Opposition, die von der Bundespaitei verurteilt ist, sich in
einer nationalen kommunistischen Partei auf die Dauer festsetzt.
Immerhin hat es einige Schwierigkeiten mit den Nationalparteien
gegeben, insbesondere in der Ukraine und im Kaukasus as‘

Die Fühlung der Partei mit den werktätigen Massen wird syste-
matisch gepflegt. Es wird stets Wert darauf gelegt, den Anteil
der Werktätigen, vor allem der sog. „Arbeiter von der Werkbank“,
zu steigern. Reinigungen, Ausschlußverfahren, je nach der sozialen
Herkunft bemessene Prüfzeiten bei der Aufnahme sollen für die
Erhaltung des proletarischen Elitecharakters der Partei wirken
und steigern das Selbstbewußtsein der Parteimitglieder. Die Ver-
gehen von Parteimitgliedern, zu deren Verfolgung man sich ent-
schließt, werden streng beurteilt, wenn sie geeignet sind, das
Ansehen der Partei zu schädigen. Ständig werden Versuche unter-
nommen, die sog. Parteiethik auf einer gewissen Höhe zu halten.

Gegen luxuriösen, auffallenden Lebenswandel wird eingeschrit-
ten. Das Einkommen ist für die Parteimitglieder begrenzt, so daß
Fabrikdirektoren, Ingenieure usw., die zur Partei gehören, viel
weniger erhalten als bürgerliche Spezialisten. Diskussionen dar-
über, ob ein Parteimitglied das Recht habe, Gewinne staatlicher
Prämienanleihen anzunehmen, sind für diese Einstellung bezeich-
nend. Natürlich ist vielfach die Beachtung der Parteiethik eine
rein theoretische Angelegenheit. Ein großer Teil der Auschluß-
verfahren wegen ständiger Trunkenheit, Unfähigkeit, Mißbrauch
der Amtsgewalt usw. wird nur darum durchgeführt, weil auf diese
Weise die innern Parteistreitigkeiten erledigt werden können **. Die
Beschränkung im Geldeinkommen wird aufgehoben durch zahl-
reiche soziale und politische Vorrechte, durch die Möglichkeit,
billige Lebensmittel zu beziehen, Vergünstigungen in öffentlichen