144 4. Teil. Die bolschewistische Partei.
Anstalten, bei der Wohnungszuweisung usw. Immerhin wird
gegen die Herausbildung einer Satrapenklasse aus Parteimitglie-
dern angekämpft, wie Prozesse gegen Parteimitglieder beweisen,
die Frauen auf Grund ihrer Stellung verführt haben usw.
Die Partei besitzt eine eigene statistische Abteilung, welche jährlich
sine Zusammenstellung: „Die WKP“ (russische Abkürzung für kommu-
nistische Partei des Bundes) herausgibt. In diesen Statistiken wird be-
sonderer Wert auf die Analyse der sozialen Herkunft gelegt. Nach dem
statistischen Jahrbuch der Union für 1928 (Moskau 1929) zählte die
Bundespartei nach den Ermittlungen ihrer statistischen Abteilung am
1. Oktober 1928 (ohne die Kommunisten der Roten Armee und der Räte-
vertretungen im Auslande) an Mitgliedern und Kandidaten 1360 469. Vor
dem Eintritt in die Partei waren davon Arbeiter 832177, also 61,2%;
nach dem Eintritt 570171, also 41,9%; Bauern vor dem Eintritt in die
Partei 286979, also 21,1°/o; nach dem Eintritt 169624, also 12,5°/o; An-
gestellte vor dem Eintritt 222 539, also 16,3°/o; nach dem Eintritt 443 143,
also 32,6%. Unter der Rubrik „Übrige“ werden vor dem Eintritt 18774,
also 1,4°/o; nach dem Eintritt 141095, also 10,4°% geführt; wozu noch
nach dem Eintritt 19793, also 1,4°/a jüngere Angestellte von Sowiet-
ämtern kommen. Diese charakteristische Statistik beweist die herrschende
Stellung der Partei im gesamten Staats- und Verwaltungsapparat. Die
Zahl der Arbeiter und Bauern nimmt nach dem Parteieintritt ab, d. h. sie
verwandeln sich in Angestellte, Geschäftsführer der Dorisowjets, Direk-
toren, Parteibeamte usw. Das geht aus der Verdoppelung der An-
gestellten und dem auffallenden Anwachsen der Rubrik „Übrige“ hervor,
in der sich wohl auch Arbeiterstudenten, sog. freie Berufe, Spezia-
listen usw. bergen 14
Die Partei ist umgeben von einer Reihe Hilfsorganisationen.
Zu ihnen kann man die Räte rechnen, die „direkten Organe der
proletarischen Diktatur“, deren Wahlen zugleich mit Feldzügen
für Gewinnung neuer Parteimitglieder verbunden sind. Zu den
Hilfsorganisationen gehören auch die Genossenschaften, die Ge-
werkschaften, die Kolchosen, die zwar nicht nur Kommunisten
als Mitglieder aufnehmen, aber genau so wie alle vom Staate
geförderten kulturellen Vereine (Bund der Gottlosen, der prole-
tarischen Radiohörer usw.) unter kommunistischer Führung stehen.
Die aktiven Elemente dieser Organisationen werden nach Möglich-
keit der Partei zugeführt. In jüngster Zeit (April 1931) ist be-
schlossen worden, nur noch Vereine zu erlauben, die mit den
Staatszielen in Übereinstimmung stehen. Die Durchführung dieses
Frlasses würde der bisher theoretisch immerhin gegebenen Mög-
lichkeit ein Ende bereiten, Vereine mit individueller Zwecksetzung,
d. h. Zwecksetzung nach den Wünschen ihrer Gründer, zu bilden.