146 4. Teil. Die bolschewistische Partei.
zu ersetzen, aufgegeben worden sein. Es soll gerade der Jugend
der Schein einer gewissen Selbständigkeit, einer großen Aktivität
gegeben werden. Mit besonderer Aufmerksamkeit werden alle
Versuche verfolgt und unterdrückt, den Komsomol gegen die
Generallinie der Partei auszuspielen, ihn für eine oppositionelle
Strömung zu gewinnen. Alle diese Versuche sind bisher restlos
mißglückt, von Trotzki im Jahre 1924 an bis zum sog. Rechts-
Linksblock Syrzow-Lominadse im Jahre 1930, der an der Aufbau-
arbeit des Fünfijahresplanes schärfste Kritik übte, über Büro-
kratismus, gefälschte Statistiken klagte und Diskussionsfreiheit
in der Partei verlangte.

Die mit diesem Block Sympathisierenden, zu denen auch Mit-
begründer des Komsomols, z. B. Tschaplin, gehörten, wurden ein-
fach abgesetzt und aus den Reihen des Komsomols ausgeschlossen.
Es erging ihnen also. ebenso wie den Petersburger Führern, die
es im Jahre 1926 abgelehnt hatten, die Entscheidungen des kommu-
nistischen Parteitages als richtig anzunehmen. Auch die These von
der Neutralität des Komsomols in den Parteikämpien wird ver-
worfen. Der Komsomol hat die Hilfstruppe der Parteileitung bei
der Verwirklichung ihrer Pläne zu sein — weiter nichts. Sein
Aktivismus wird durch die Praxis dieser Pläne befriedigt. Der
Komsomol muß die eifrigsten Mitarbeiter am Fünfiahresplan
stellen; da darf es keine Zeit und Möglichkeit für jenen Individua-
lismus geben, der über Parteientschlüsse unter Berufung auf die
junge Generation und ihre Mentalität zu diskutieren wagt.

Besonders eifrig wird auch auf die Bewahrung des Komsomols
vor sog. antiproletarischen Einflüssen gesehen. Als Träger dieser
antiproletarischen Einflüsse werden Söhne von ehemaligen reichen
Bauern, Angestellten usw. betrachtet, die vielfach aus rein äußern
Gründen in den Komsomol eintreten. Denn dadurch schaffen sie
sich Aufstiegschancen, ermöglichen sich das Studium usw. Der
Klassengegner innerhalb des Komsomols ist eine ständige Erschei-
nung in kommunistischen Zeitungen, Man darf aber nicht aus
dieser Tatsache auf einen dauernden, verborgenen Konflikt zwi-
schen der Jugend und der herrschenden Partei schließen. Im
Gegenteil, gerade auf die Jugend hat der Abschluß des öffentlichen
Lebens Rußlands im bolschewistischen Sinne einen besondern
Einfluß ausgeübt. Sie kann sich eine andere Welt kaum noch
vorstellen, die bolschewistische Terminologie ist ihr selbstver-
ständlich geworden, und vor allem: Ihr Aktivismus erhält durch
die zahlreichen Aufgaben des Wirtschaftsaufbaues stets neue
Betätigungsmöglichkeiten.