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4. Teil. Die bolschewistische Partei.
stimmende Führer der Partei, ist schon bisher sehr oft genannt
worden *, Ohne ihn ist der Bolschewismus auch in seiner heutigen
Form schlechthin undenkbar. Wenn auch entgegen seinen Wün-
schen die Zusammenarbeit von Trotzki und Stalin nicht zu erhalten
war, die er für die fähigsten Mitglieder des Zentralkomitees hielt,
so bestimmt er als Vorbild doch bis heute alle Bolschewisten.
Alle Richtungen berufen sich auf ihn, von Stalin bis Trotzki, dem
Manne der sog. Linksopposition, und Bucharin-Rykow, den Führern
der sog. Rechtsabweichung. Aber so unerschütterlich auch seine
Autorität nach dem Tode zu sein scheint, so wäre es doch falsch,
anzunehmen, daß er zu Lebzeiten die Partei als unumschränkter
Diktator regiert hätte. Immer wieder mußte er sich gegen mehr
oder minder energische Oppositionsströmungen wenden, von seiner
Rückkehr aus der Emigration bis zu den Kämpfen um die Er-
öffnung des Oktoberaufstandes, von den erregten Diskussionen
um den Frieden von Brest-Litowsk, in denen er sich nicht gleich
durchsetzte, bis zu den Streitigkeiten um die Gewerkschaften und
die neue ökonomische Politik.

Lenin als Erzieher, so ist bereits seine‘ Wirksamkeit .in der
Partei charakterisiert worden. Seine Autorität wuchs ständig, da
er in der Praxis fast immer recht bekam. Suchanow berichtet,
wie der zuerst schwankende Kamenew schließlich zugeben mußte:
„Lenin hat in seinen politischen Urteilen immer recht behalten.“
Radek pflegte diese Tatsache in seiner saloppen Art zu verkünden,
wenn er von der Unfehlbarkeit des Alten sprach. Die Eigenart
Lenins besteht in der eigenartigen Verbindung eines streng theo-
retisch-doktrinären Denkens mit einer sehr geschickten, biegsamen
Taktik und Propaganda. Er vermochte es, seinen Ideen eine Form
zu geben, die den Massen verständlich war. Dabei konnte er mit
der Verkündigung seiner eigentlichen Ziele außerordentlich zurück-
haltend sein.

Als er, 1917 nach Rußland zurückgekehrt, bemerkt hatte, daß
die Zeit noch nicht gekommen war, um offen seine Ablehnung der
Souveränität der Nationalversammlung und seine Kriegsfeindschaft
auszusprechen, verstand er es sehr geschickt, seine Massen-
propaganda umzuformen. Er wußte, wenn es notwendig war, sich
der Parteidisziplin zu fügen. Er verzichtete im April 1917 auf die
Umbenennung der Partei — sie sollte sich nach ihm aus der
sozialdemokratischen in eine kommunistische verwandeln —, er
folgte 1918 dem Wunsche der Majorität, die Verhandlungen von
Brest-Litowsk nach Trotzkis Vorschlag ohne Annahme der deut-
schen Friedensbedingungen mit der Formel: „Weder Krieg noch