Lenin.

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Frieden“ abzuschließen; denn er wußte, daß er sich doch auf die
Dauer durchsetzen würde. Die Partei nannte sich tatsächlich 1918
seinem Vorschlag entsprechend um, und es trat die Notwendigkeit
ein, den deutschen Vormarsch durch Annahme der zuerst ver-
worfenen, jetzt noch, wie Lenin vorausgesehen hatte, verschärften
Friedensbedingungen aufzuhalten.

Ganz falsch wäre es also, Lenin als einen Fanatiker anzusehen,
der sofort seinen Willen durchsetzen will und bedingungslose An-
nahme seiner Vorschläge erwartet. Im Gegenteil, Lenin liebt die
sachliche Diskussion. Er will seine Entscheidung nicht aufzwingen,
sondern aus sachlichen Erwägungen heraus annnehmen lassen.
Berühmt sind seine Zettel mit kurzen Anfragen, Projekten, Kri-
tiken. Aber diese Biegsamkeit hat ihre Grenzen. Lenin ist Taktiker
und Erzieher nur innerhalb einer ganz bestimmten Doktrin. Der
Marxismus und die Deutung, die er ihm gibt, sind für ihn selbst-
verständliche Grundlagen seines ganzen Denkens und Handelns.
Es geht ihm nur darum, Erfahrungen zu sammeln, zu lernen.
Die Taktik, die Biegsamkeit ist nur eine Angelegenheit der Me-
thode, sie führt nicht zu einer grundsätzlichen Änderung. Schon
die Vorstellung eines neuen Glaubens, einer Abkehr vom Marxis-
mus ist für Lenin ganz unmöglich,

Der Leninsche Marxismus — das muß bereits in dieser psycho-
logischen Charakteristik bemerkt werden — trägt ganz besondere
Züge, Für ihn ist der politische Machtwille charakteristisch. Lenin
will sich nicht nur auf die objektiv notwendige Entwicklung zum
Sozialismus verlassen. Er betont die Wichtigkeit des Handelns,

der straffen Organisation für die marxistische Partei. Er hebt
die entscheidende Bedeutung der Staatsmacht als Geburtshelferin
der sozialistischen Gesellschaft hervor. Er lehnt alle revolutio-
nären Phrasen ab. Die Zweite Internationale ist ihm verhaßt
wegen des Zwiespaltes zwischen ihrem Reden und Handeln.
Lenin will seine Doktrin verwirklichen; es ist für ihn selbst-
verständlich, daß sie zum Verändern der Wirklichkeit zwingt
und treibt. Wie das im einzelnen geschehen soll, darüber ist er
sich unklar. „Es ist viel besser, aus Revolutionen zu lernen, als
über sie zu schreiben“, bemerkt er, als er nach der Machtergrei-
fung die vorher verfaßte Schrift „Staat und Revolution“ heraus-
gibt. Lernen und noch einmal lernen, ist seine Losung während
seiner ganzen Regierungszeit. Man soll verwalten lernen, Men-

schen behandeln und auswählen lernen, man Soll sich nicht mit

schönen Phrasen und nichtssagenden Schlagworten begnügen.

Sozialismus ist Rechenschaftsablegung, erklärt er. Er will sach-