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4. Teil. Die bolschewistische Partei.
einige Schulbildung genossen, da er Priester werden sollte. Aber
man kann nicht das georgische Seminar, das er besuchte, als
eine Bildungsanstalt ansehen, Bereits früh verließ er es, durch
marxistische Agitationsbroschüren für die Revolution gewonnen.
Von einer sorgfältigen, theoretischen Durchbildung kann bei Stalin
im Gegensatz zu Lenin keine Rede sein. Um so mehr ist er als
Revolutionspraktiker und straffer Organisator hervorgetreten. Er
organisierte‘ die tollkühnen Expropriationen, die zur Füllung der
bolschewistischen Parteikasse notwendig waren. Immer wieder
wurde er nach Sibirien verschickt, um immer wieder aus der
Verbannung zur revolutionären Agitation zurückzukehren. Emi-
grant ist Stalin nie gewesen, da er Rußland nur für kurze Zeit
verlassen hat, um Parteikongresse zu besuchen. Eine Schrift von
ihm über die Nationalitätenfrage soll — wie Gegner mit einiger
Wahrscheinlichkeit behaupten — von Lenin diktiert sein. Nach
der Oktoberrevolution stand Stalin zuerst im Hintergrund — er
war trotz einiger Schwankungen im allgemeinen ein treuer Gefolgs-
mann Lenins, ohne weiter hervorzutreten. Als Nationalitäten-
kommissar sorgte er für den Abbau der großrussischen Vorherr-
schaft. Als Mitglied des revolutionären Kriegsrates scheint er in
einer gewissen Opposition gegen Trotzki gestanden zu haben.
Ob die ihm heute zugeschriebenen militärischen Verdienste wirk-
lich so groß sind, wie seine Lobredner behaupten, kann nicht ent-
schieden werden. Seine Macht stieg, als er 1921 Generalsekretär
der Partei wurde. Er verstand zunächst im Bündnis mit Sinowiew-
Kamenew Trotzki auszuschalten, um dann, als seine Macht ge-
festigt war, auch die mit Trotzki zum Oppositionsblock vereinigten
Kamenew-Sinowiew zu erledigen. Der Kampf gegen alle gefährlichen
Gegner wurde durch die Erledigung der Rechtsopposition Bucharin-
Rykow 1929/30 fortgesetzt. Heute ist Stalin der unumschränkte
Parteiführer, dessen besondere Stellung offen anerkannt wird.
Im Unterschiede zu Lenin liebt er keine sachlichen Auseinander-
setzungen. Als schlauer Taktiker duldet er nach der Sicherung
seiner Machtposition keine gefährlichen Genossen um sich. Rein
praktisch eingestellt, hat er nirgendwo originelle Ideen entwickelt.
Er führt Lenins Erziehungsarbeit zur Praxis, zur wirtschaftlich-
organisatorischen Tätigkeit energisch fort, die Theorie als be-
quemes Schema benützend. Er ist die reinste Verkörperung des
Revolutionspraktikers aus der Zeit vor der Machtergreifung —
von seinen Genossen Enukidse, Ordschonikidse, Bubnow usw.
zeichnet er sich nur durch größere Energie, Rücksichtslosigkeit
und taktische Raffiniertheit aus. Er ist ein typischer Vertreter