Die Deutung der Gegenwart, — Der Imperialismus. 171
richtig, Denn die Machtergreifung muß doch durch genaue Klassen-
analyse, d. h. marxistische Interpretation der sozialen Verhältnisse
gerechtfertigt sein. Die Herrschaft der Partei als einer Minorität
Ist durchaus nicht Selbstzweck, sondern sie soll gerade dem Vor-
antreiben der Massenbewegung und Massenentwicklung dienen.
Der Leninismus ist von Stalin als revolutionärer Marxismus in der
Segenwärtigen, d. h. imperialistischen Periode bezeichnet worden.
Seinen Glauben an die Möglichkeit einer politischen Machtergrei-
fung durch die revolutionär-marxistische Partei hat Lenin durch
Theorien über die Lage der gegenwärtigen Gesellschaft, über die
heutige Phase des Kapitalismus, den sog. Imperialismus, zu recht-
fertigen gesucht.
_ Was versteht Lenin unter Imperialismus, der Epoche des Kapita-
lismus der Gegenwart??? Die Bestimmung Lenins sei wegen ihrer
entscheidenden Bedeutung — Stalin hat den Leninismus als Mar-
kismus in der Epoche des Imperialismus bezeichnet — wörtlich
angeführt: „Der wirtschaftliche Imperialismus ist die höchste Stufe
der Entwicklung des Kapitalismus. Die Produktion ist so groß
geworden, daß die Konkurrenz durch das Monopol ersetzt wird.
Darin besteht das wirtschaftliche Wesen des Imperialismus. Das
Monopol zeigt sich in Trusts, Syndikaten, in der Allmacht der
Riesenbanken, in dem Aufkauf der Rohstoffquellen, in der Konzen-
ration des Bankkapitals. Der politische Überbau der neuen Öko-
nomik, des Monopolkapitalismus (der Imperialismus ist der
Monopolkapitalismus) zeigt sich in der Wendung von der Demo-
kratie zur politischen Reaktion. Der freien Konkurrenz entspricht
lie Demokratie. Die politische Reaktion (d. h. heute Faszismus,
bürgerliche, cäsaristische Diktatur usw. W.G.) entspricht dem
Monopol.“ An andern Stellen betont Lenin die außenpolitische
Voraussetzung des Imperialismus. Die ganze Welt ist bereits unter
lie reichsten Länder geteilt, und es hat die Verteilung der Welt
unter die internationalen Trusts begonnen. Er hebt hervor, daß
zwar die Regulierung der Wirtschaft im Monopolkapitalismus eine
zanz andere Rolle spiele als im Kapitalismus der freien Kon-
kurrenz. Aber es handelt sich doch um kapitalistische Monopole,
die nur zur Verteuerung der Lebensführung, Verschärfung der
Wirtschaftskämpfe, zu Kriegen um die Beute und die Rohstoiff-
quellenverteilung führen. Die Schrecken der Not, die Verwilderung,
welche der imperialistische Krieg von 1914 hervorrief, all das
zeige, daß diese Zeit des Kapitalismus den Beginn der proleta-
tischen, sozialistischen Revolution bedeute.

Was folgt aus dieser Imperialismusbestimmung? Die radikalste