Der bolschewistische Mensch.

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bestimmen die Fntwicklung aller Tugenden, des geistigen Le-
bens usw.

| Dabei ist noch zu beachten, daß die Entwicklung dieser Tätigkeit
in das durch die marxistische Doktrin bestimmte Schema gepreßt
wird. Der Proletarier ist der Träger des Guten, der sozialistischen
Gesellschaft; die Industrie ist die entscheidende Wirtschaftsmacht,
der Großbetrieb ist die grundlegende Gesellschaftsform. Von hier
aus ergibt sich eine eigentümliche Entleerung des Lebensinhaltes.
Zwar ist alles klar und übersichtlich, aber dafür ist die Fülle des
Lebens verschwunden. Es sind ganz einfache Formen, in denen
das Leben erfaßt werden soll. Sie sind zwar sehr leicht zu hand-
haben, aber sie schalten wesentliche Lebensbezirke des Mensch-
lichen aus. Gewiß, diese Äußerungen des Menschlichen können
auch bei den bolschewistischen Menschen auftreten, aber nur im
Panzer dieser das Leben bestimmenden Formeln. Gerechtigkeit,
Freiheit, Güte, Mut, Leidenschaft sind nur dazu da, um. den
marxistisch-leninistischen Formeln zu dienen. Sie werden nur dann
Zewertet, wenn sie dem Klassenkampfe nützen, im Dienste des
Industrieaufbaus der proletarischen- Partei stehen usw. Es ist
dafür bezeichnend, daß die Bolschewisten von Parteiethik sprechen.
Es handelt sich dabei nicht um eine Ethik der Beziehungen ZWi-
schen Parteigenossen, sondern um eine Ethik, welche die bisherige
Ethik ersetzen soll.

Es sind ganz bestimmte geschichtlich-gesellschaftliche Eigen-
tümlichkeiten, welche diesem Menschenbilde eine verführerische
Gewalt in der heutigen Welt verliehen haben. Der bolschewistische
Mensch ist nämlich der Mensch, welcher die Entwicklung der
modernen Gesellschaft beiaht und zugleich so formen will, daß
sie allen Menschen zugute kommt. Er scheint also diese Entwick-
lung auch ethisch zu rechtfertigen. Man kann den bolschewistischen
Menschen als Erzeugnis der modernen bürgerlichen Gesellschaft
bezeichnen, gerade darum, weil sein Kampf gegen die bestehende
Ordnung dieser Gesellschaft geht. Denn er will ihre Triebkräfte
zu den einzigen Grundlagen der kommenden Gesellschaft machen,
und zwar in einer Weise, welche die Produktion am meisten stei-
Zert und zugleich allen zugute kommen läßt.

Der bolschewistische Mensch bejaht die Arbeit, den wirtschaft-
lich-gesellschaftlichen Erfolg als die entscheidenden Lebensmächte.
Darin ist er ganz mit der bürgerlichen Gesellschaft des Kapita-
lismus einig. Aber er verwirft die in der bürgerlichen Gesellschaft
noch gegebene Spaltung des Lebens und der Gesellschaft in einen
Bereich des Privaten, in dem noch andere Werte außer wirtschaft-