212 6. Teil. Kritik des Bolschewismus.
unserer Zeit und den Ideen, auf die sie sich beruft, besteht. Die
Grenzen der parlamentarischen Demokratie, die Unmöglichkeit, an
eine harmonische Selbstregelung der dem Spiele freier Kräfte
überlassenen Wirtschaft in einer Zeit der Finanz- und Wirtschafts-
monopole zu glauben, werden durch die bolschewistische Propa-
zanda aufgewiesen *!,

Damit wird der Bolschewismus zu einer Mahnung gegen die
Beruhigung in den bestehenden Verhältnissen. Er wird zu einer
negativen Kraft der gesellschaftlichen Reform. Gerade seine
Utopien, die Wirksamkeit seiner Herrschafitsmethoden und ihre
Folgen beweisen, daß in der heutigen Welt Gesetze des gesell-
schaftlichen Lebens verletzt werden — so z. B. das Bedürfnis nach
Sicherheit und Stabilität. Ohne ihre Verletzung wäre es ja nicht
möglich geworden, daß der Glaube an die bolschewistische Utopie
den starken Einfluß gewonnen hätte, wie er sich in der heutigen
Welt zeigt. Es genügt nicht, die Irrtümer zu widerlegen, man muß
sie durch das Verständnis ihrer Grundlagen überwinden. Diese
alte Wahrheit gilt auch für den Bolschewismus.