Lenins Lehren.

Die Grundlagen der bolschewistischen Partei,
im Jahre 1902 veröffentlichte Lenin eine Broschüre „Was tun?“, in der
er seine Anschauungen über die Organisation der sozialistischen Bewe-
zung darlegt. Man kann diese Schrift als die beste Einführung in das
Wesen der bolschewistischen Partei bezeichnen, deren Grundthesen bis
heute nicht überholt sind. Allerdings bergen sie sich, wie in allen Schriften
Lenins, hinter scheinbar rein tagespolitischen Polemiken.

Einige Abschnitte der Schrift sollen zeigen, wie sehr der Gründer der
bolschewistischen Partei um die Notwendigkeit einer politischen Führung
der Massen wußte. Er geht sogar so weit, sich gegen alle Theorien von
der schöpferischen „Spontaneität‘“ der Massen zu wenden und zu be-
tonen, daß das sozialistische Bewußtsein von bürgerlichen Intellektuellen
an sie herangetragen werde. Lenins Parteiauffassung schließt eine blinde
Anbetung der jeweiligen Massenstimmungen aus — im Gegenteil, die
Masse soll durch ihre Partei geführt und erzogen werden. Diese Partei
besitzt eine ganz bestimmte theoretische Grundlage, nämlich den Marxis-
mus, Dabei ist aber zu beachten, daß die Theorie den Notwendigkeiten
der praktischen Bewegung dient. Bemerkenswert ist auch die Sendung,
welche Lenin den russischen Revolutionären zuschreibt. Ein Sturz des
Zarismus, so meint er, würde das russische Proletariat zur Avantgarde
des Weltproletariates machen. Die ganze Leninsche Parteiauffassung
geht sehr stark von den eigenartigen Bedingungen des russischen Lebens
aus — man kann sagen, daß sie das Gegenstück zur deutschen Sozial-
demokratie bildet, die sich ja trotz des Sozialistengesetzes unter ganz
andern Bedingungen entwickelt hat.

Zitiert ist nach der deutschen Ausgabe von Lenins Werken (künftig
d. W. W) IV. Berlin-Wien 1929.
Gegen die Meinungsfreiheit in der Partei,
Freiheit ist ein großes Wort, aber unter dem Banner der Frei-
heit der Industrie wurden die räuberischsten Kriege geführt, unter
dem Banner der Freiheit der Arbeit die Werktätigen ausgeplündert.
Dieselbe innere Verlogenheit liegt in der jetzigen Anwendung des
Wortes „Freiheit der Kritik“. Leute, die tatsächlich davon über-
zeugt wären, daß sie die Wissenschaft vorwärts gebracht haben,
würden nicht die Freiheit der neuen Auffassungen neben den alten
fordern, sondern die Ablösung der alten durch die neuen. Das
moderne Geschrei „Es lebe die Freiheit der Kritik“ erinnert zu
sehr an die Fabel vom leeren Faß.

Wir marschieren als kleines Häuflein, uns fest an den Händen