Revolutionäre Taktik des Jahres 1917. 235
Sozialisten besteht darin, daß die Frage zu allgemein gestellt
wird — Übergang zum Sozialismus, während man über die kon-
kreten Schritte und Maßnahmen sprechen muß. Die einen sind
schon reif, andere noch nicht. Wir durchleben jetzt eine Übergangs-
zeit. Wir haben offensichtlich Formen hervorgebracht, die den
dürgerlichen Staatsformen nicht ähnlich sind: Arbeiter- und
Soldatendeputiertenräte — das ist eine Staatsform, die es in
keinem Staate gibt noch je gegeben hat. Das ist eine Form, die
die ersten Schritte zum Sozialismus darstellt und am Beginn der
Sozialistischen Gesellschaft unvermeidlich ist. Das ist eine ent-
Scheidende Tatsache. Die russische Revolution hat Räte geschaffen.
In keinem bürgerlichen Lande der Welt gibt es Staatseinrichtungen
dieser Art und kann es sie auch nicht geben, und keine einzige
Sozialistische Revolution wird mit einer andern Macht außer dieser
DDerieren können. Die Arbeiter- und Soldatendeputiertenräte
Müssen die Macht übernehmen, nicht um eine gewöhnliche bür-
Berliche Republik zu schaffen oder um unmittelbar zum Sozialis-
Mus überzugehen. Das ist unmöglich. Also wozu denn? Sie
Müssen die Macht übernehmen, um die ersten konkreten Schritte
für diesen Übergang zu tun, die man tun kann und soll. Angst
ist in dieser Hinsicht der schlimmste Feind. Man muß den Massen
Predigen, daß diese Schritte sofort getan werden müssen, sonst
Wird die Macht der Arbeiter- und Soldatendeputiertenräte sinnlos
Sein und wird dem Volke nichts geben.... Wozu wollen wir, daß
die Macht in die Hände der Arbeiter- und Soldatendeputiertenräte
Äbergeht?
Die erste Maßnahme, die sie verwirklichen müssen, ist die
Nationalisierung des Grunds und Bodens. Darüber reden alle
Völker. Man sagt, diese Maßnahme sei die utopischeste, und den-
noch gelangen alle zu ihr, gerade deswegen, weil der russische
Landbesitz so verworren ist, daß es einen andern Ausweg als
diesen, den gesamten Grund und Boden in Staatseigentum zu ver-
Wandeln, nicht gibt. Das ist jene Aufgabe, die vor uns steht, weil
die Mehrheit ‚des Volkes dafür eintritt. Dazu brauchen wir die
Räte. Diese Maßnahme läßt sich mit den alten Staatsbeamten
üinmöglich durchführen.

Die zweite Maßnahme. Wir können nicht sagen, wir wollen den
Sozialismus „einführen“, — das wäre der größte Unsinn. Wir
müssen den Sozialismus propagieren. Die Mehrheit der Bevölke-
tung in Rußland besteht aus Bauern, Kleinbesitzern, die an den
Sozialismus nicht einmal denken können. Was aber können sie
dagegen haben, daß in jedem Dorfe eine Bank bestehen soll, die