256 Schwierigkeiten und Methoden des sozialistischen Aufbaus.
schen aus dem Dorfe in die Stadt trieben. Darum war der Bauer
bereit, sich selbst an den Teufel zu wenden, um irgend eine Arbeit
zu bekommen. Heute hat sich die Lage geändert. Wir haben
erstens die Arbeitslosigkeit beseitigt, also gerade das vernichtet,
was auf den Arbeitsmarkt drückte. Wir haben zweitens die Um-
schichtung im Dorfe in ihren Grundlagen getroffen (Stalin meint
die Vernichtung des Kulakentums als Klasse durch die Kollekti-
vierung. Dadurch wurde die Umschichtung durch weitere Ver-
armung der mittleren und kleineren Bauern beseitigt. W.G.). Wir
haben damit die Massenarmut aufgehoben, die den Bauern aus dem
Dorie in die Stadt trieb.... Daher gibt es nicht mehr ein Strömen
der Bauern in die Stadt. Daher kommt die Arbeitskraft nicht mehr
von selber. Man muß also zur Politik einer organisierten Werbung
der Arbeiter übergehen. Dafür gibt es nur einen Weg; es gilt Ver-
träge abzuschließen zwischen Wirtschaftsorganisationen (also
Industriegemeinschaften usw.) und Kolchosen (mit andern Worten:
die Kolchosen sollen veranlaßt werden, bestimmte Arbeitskräfte
zur Verfügung zu stellen. W.G.)..

Weiter wendet sich Stalin gegen den häufigen Arbeiterwechsel in den
Betrieben. Er behauptet, daß es wenige Betriebe gibt, deren Arbeiter-
schaft nicht im Laufe eines halben oder viertel Jahres zu 30 oder 40°
wechselt. Stalin führt diese Erscheinung auf falsche Lohnsysteme zurück,

Schuld daran ist eine unrichtige Organisation der Entlöhnung,
eine sich scheinbar „linker“ Losungen bedienende Gleichmacherei
in der Entlöhnung. In einer Reihe von Unternehmungen sind die
Tarife so beschaffen, daß es zwischen qualifizierter und un-
qualifizierter Arbeit kaum einen Unterschied gibt. Die Gleich-
macherei führt dazu, daß der ungelernte Arbeiter kein Interesse
hat, ein gelernter zu werden; es fehlt ihm der Antrieb, vorwärts-
zukommen. Er fühlt sich als eine Art „Sommergast‘“ im Betriebe.
Die Gleichmacherei führt dazu, daß der gelernte Arbeiter von
einem Betrieb zum andern wandert, um einen Betrieb zu finden,
der die gelernte Arbeit entsprechend bezahlt.... Marx und Lenin
behaupten, daß ein Unterschied zwischen qualifizierter und nicht-
qualifizierter Arbeit selbst während des Sozialismus nach der
Vernichtung der Klassen existiere, daß dieser Unterschied erst im
Kommunismus verschwinden, daß also selbst im Sozialismus der
Lohn nach der Leistung und nicht nach dem Bedürfnis bemessen
werde,

Stalin verlangt die Bildung qualifizierter Arbeitergruppen, die an einem
bestimmten Betriebe fest gebunden sind. Er wendet sich dagegen, daß
die ununterbrochene Arbeitszeit zu einer Abnahme der Verantwortung