262 Schwierigkeiten und Methoden des sozialistischen Aufbaus.
Denn sie sagen, es ist besser, diese große Stadt nicht zu ent-
wickeln, sondern erst für 50 000—60 000 Bewohner eine gut ein-
gerichtete Siedlung zu schaffen. Wenn uns die Nachkommenschaft
verurteilen wird, so wird bei uns festgelegt sein, daß wir gar keine
Perspektiven und Voranschläge über die Entwicklung der Stadt
besaßen. Natürlich erklärte sich der Plan, eine Siedlung für
50000 Einwohner zu bauen, nicht aus dem Fehlen von Perspek-
tiven, sondern aus der Tatsache, daß es unmöglich ist, auf dem
linken Ufer eine Stadt von 150000 bis 200000 Bewohnern zu
bauen....
Der rationalisierte kapitalistische Bau.
Man muß auch unbedingt die Meinung der Sachverständigen-
kommission über den Typ des Planes von May beachten. Am
5. Dezember 1930 fällte die Sachverständigenkommission folgende
Entscheidung: Der Plan des Architekten May unterscheidet sich
in nichts von der Projektierung eines rein kapitalistischen Typs.
Dasselbe sagte auch ein deutscher Spezialist, Genosse Blumenfeld,
der in einer Diskussion nach einem Referat Mays erklärte: „Die
Pläne Ernst Mays wiederholen in ihrer Grundlage die Pläne eines
rationalisierten kapitalistischen Baues. Man kann sie nicht als
sozialistische ansehen.“

Nach der Enthüllung der völligen Untauglichkeit des Links-
Ufer-Planes und insbesondere des Planes Mays, ferner nach der
Anordnung des Rates der Volkskommissare, die Stadt auf dem
rechten Ufer zu errichten, hätte man die Gespräche darüber be-
enden müssen, daß das linke Ufer doch besser sei als das rechte.
Man hätte mit dem konkreten Bau einer sozialistischen Stadt auf
dem rechten Ufer beginnen müssen. Um so mehr wäre das not-
wendig gewesen, als die Fristen, die der Rat der Volkskommissare
für die endgültige Planierung der Stadt bemessen hatte, ziemlich
kurz festgesetzt waren.
Es folgt eine Polemik gegen die Zeitschrift „Das wirtschaftliche Leben“,
die trotz allem weiter für den Plan des Architekten May eintritt. Ironisch
werden auch die sowjetrussischen Zeitungen behandelt, die den Archi-
tekten May darum feiern, weil er in vierzehn Tagen eine Arbeit fertig-
stellte, über die man zwei Jahre beraten hätte. Es wird als Kritik dieser
Arbeitsweise, die auch in der deutschen Presse als Zeichen wirtschaftlicher
Überlegenheit gefeiert worden ist, die Meinung des Genossen Tolmatschew
angeführt, der auf einer Regierungssitzung erklärte: „Der Architekt May
hat uns Bilder mitgebracht, die ich täglich in unsern Zeitungen sehe. Auf
einem dieser Bilder steht ein Hammel gezeichnet, das ist ein symbolischer