268 Der Kampf gegen die Religion.
eine noch ernstere Gefahr die opportunistische Gleichgültigkeit,
die Hoffnung, daß alles von selber kommen werde, die nicht ge-
nügende Bewertung der antireligiösen Propaganda, die Überlassung
einer politischen Freiheit an kapitalistische Elemente, welche die
religiöse Zurückgebliebenheit und Unbildung der Massen aus-
nützen. Die örtlichen Mitteilungen berichten von einem solch
kühlen Verhältnis sehr vieler Organisationen.

In großem Maße ist diese Tatenlosigkeit und dieses Stehen-
bleiben bedingt durch die Unfähigkeit, die antireligiöse Propaganda
den neuen Verhältnissen entsprechend neu aufzuziehen. Zunächst
übersieht man eine so wirksame Methode wie die einfache Er-
höhung der Qualität, d. h. die gute Anlage der einfachsten kultu-
rellen Arbeit. In der neuen Lage der gesellschaftlichen und wirt-
schaftlichen Beziehungen, die auf dem Dorfe durch Kollektivierung
entstehen, geben gut organisierte Gespräche und Leseabende des
politischen, landwirtschaftlichen und antireligiösen Buches gute
Resultate, um neue Überzeugungen bei den Massen der Kolchosen-
mitglieder zu bilden. . Sie geben den Anstoß dazu, daß die Mit-
glieder der Kolchose sich von den religiösen Ketten befreien, sie
führen dazu, daß sie öfters von selbst ohne jeden Druck von irgend
einer Seite die Ikonen entfernen und aufhören, die Dienste des
Popen zu beanspruchen. Die Errichtung irgend eines gut arbeiten-
den Musik- oder Gesangskreises, die kulturell eingestellte Arbeit
des Kinos — der lebendigen Zeitung — im Dorie führt zur Ver-
minderung, wenn nicht zum Aufhören der Teilnahme der Jugend
an kirchlichen und Sektierer-Chören, zum Aufhören des Kirchen-
besuches usw. Es ist sehr charakteristisch, daß gerade mit Hilfe
dieser einfachen Methoden (Chorgesang, Deklamation, Musik,
kulturell aufgezogene Abende der selbständigen Tätigkeit usw.)
die Popen und.insbesondere die Sektierer ihren Einfluß auf die
Massen behalten (vor allem auf die Jugend).

Eine besondere Bedeutung für die Liquidierung der Religiosität
besitzt die Tatsache des Umbaues des gesellschaftlichen Alltags-
lebens, die Erziehung zu einer neuen Moral, einer neuen gesell-
schaftlichen Disziplin. Alte, auf der Sitte beruhende Beziehungen,
die durch die Religion geheiligt und gestützt werden, stürzen
zusammen. Die Ketten zerbrechen, welche sie zusammenhielten.
Es verschwindet die Religion. Darum ist die Kultivierung neuer
Lebensformen, die Verdrängung und der Ersatz alter Sitten durch
neue Formen einer kollektivistisch-kameradschaftlichen Daseins-
weise die allerwichtigste Aufgabe aller kulturellen Arbeit.