Anmerkungen.

Erster Teil. Die geschichtlichen und gesellschaftlichen
Voraussetzungen des Bolschewismus.

* Von den in deutscher Sprache zugänglichen, allgemeinen Darstel-
lungen der russischen Geschichte seien genannt: Kliutschewski
Geschichte Rußlands, 4 Bde,, Stuttgart 1925{.; Platonow, Geschichte
Rußlands, Leipzig 1927; Pokrowski, Geschichte Rußlands, Leipzig
1929 (bolschewistisch). — Kulturgeschichtliche Darstellungen: Miliu-
kow, Skizzen russischer Kulturgeschichte, 2 Bde., Leipzig 1898-—1901;
Pokrowski, Otscherk istorli russkol kultury, Kursk 1924. — Für das Ver-
ständnis des alten Regimes, besonders der letzten Zeit, auch heute noch
unentbehrlich: Hoetzsch, Rußland (Neudruck Berlin 1917): hier auch
umfassende Literaturangaben. Über die Anfänge des Scheinkonstitutiona-
lismus unterrichten die Arbeiten von Max Weber: Zur Beurteilung der
gegenwärtigen politischen Entwicklung Rußlands und Rußlands Übergang
zum Scheinkonstitutionalismus (Archiv für Sozialwissenschaft und Sozial-
politik XXIII, XXI, Beilagen, Tübingen 1906).

Die Entstehung des Absolutismus gehört zu den umstrittensten Proble-
men der russischen Geschichte. Gegen die Behauptung, daß der Absolu-
tismus, das Selbstherrschertum in der Natur des russischen Volkes be-
gründet sei, wenden sich zahlreiche Werke russischer Historiker und
Publizisten. Besonders wichtig ist das Werk des bereits vor dem Kriege
gestorbenen Historikers Pawlow-Silwanski, Feodalism w drewnei Russl,
Moskau 1923. In ihm wird der Versuch gemacht, nachzuweisen, daß es
im mittelalterlichen Rußland einen Feudalismus gegeben habe, daß also
die russische Verfassungsentwicklung sich nicht prinzipiell von der euro-
päischen unterscheide.

Pawlow-Silwanski entwickelt dabei folgendes Schema der russischen
Geschichte: Erste Periode bis 1169, Grundinstitution die Dorf- und Feld-
gemeinschaft, Stammesselbstverwaltung. Zweite Periode bis 1565 (Terror
des Zaren Iwan des Grausamen gegen den hohen Adel, die Bojaren);
Vorherrschaft des Bojarentums, des Großgrundbesitzes — es entwickelt
sich eine feudale Ordnung. Dritte Periode 16.—19. Jahrhundert: Stän-
dische Monarchie. In der dritten Periode zwei eng miteinander verbun-
dene Abschnitte: Die Epoche der Moskauer Ständemonarchie und des
Petersburger Absolutismus (seit Peter dem Großen). Die Regierung Pe-
ters des Großen ist nicht mehr der entscheidende Abschnitt — das Ein-
teilungsprinzip „Rußland und die Europäisierung“ fällt. Die Reformen
Peters des Großen erscheinen nur als Vollendung des Absolutismus. Die
Tendenz Pawlow-Silwanski ergibt sich aus seiner Prognose, daß nach
einer Epoche, in der die mit dem Absolutismus verbundene Ständeordnung
sich auflöst, eine neue freie bürgerliche Ordnung sich bilden werde. Auf
die Probleme der ideologischen Vorbereitung des Selbstherrschertums,