Anmerkungen.

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Umgehung des Kapitalismus, der im Leben des Westens dem Geiste des
Kleinbürgers und Philistertums Zur Herrschaft verholfen habe“ (Brutz-
kus, Agrarentwicklung und Agrarrevolution in Rußland, Berlin 1926, 80).
Vgl. dafür den charakteristischen Brief Herzens an Michelet über das
russische Volk und den Sozialismus von 1851 (neue Sonderausgabe in
Kniga dija wsech, Bd. 46. 46, Berlin 1921). In diesem Schreiben kommt die
für den Agrarsozialismus eigentümliche Überzeugung von der besondern
russischen (slawischen) Sendung zum Ausdruck. Da wird die Obschina
als Rettung des Volkes von allem äußern Zwang hingestellt. Daher sel
die Tatsache, daß das russische Volk gleichsam außerhalb Europas lebe,
ein Glück. Denn die Berührung des russischen Volkes mit der europä-
Ischen Zivilisation hätte die Obschina zersetzt. In Rußland sei der Bauer
ebenso der Mann der Zukunft wie in Frankreich der Arbeiter.

Auch die konservativen Siawophilen feierten die Obschina. Von Haxt-
hausen hat in seinem Werke: Studien über die innern Zustände, das
Volksleben und Insbesondere die ländlichen Finrichtungen Rußlands,

3 Bde., Berlin 1847/52, zuerst die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt.

Der entscheidende Unterschied der Marxisten von den Agrarsozialisten
besteht in der verschiedenen Bewertung der Obschina: Die Marxisten
sehen sie als eine der Vernichtung geweihte zurückgebliebene Wirtschafts-
form an.

5 Vgl. für die Zeit vor dem Kriege Martow-Maslow-Potressow
aa O0. I (Lenski über die Nationale Bewegung) und mm (Salewski
über Nationale Parteien). Über Anfänge des jüdischen Bundes einiges
Interessante bei AkimowW, Otscherk raswitija sozialdemokratii, Petersburg
1906. Gesamtdarstellungen seiner Entwicklung bei Dubnow, Die neueste
Geschichte des jüdischen Volkes, Bd. X, Berlin 1929, 351 ff., und in der
Encyclopedia Iudaica IV. — Über die Lage der Juden in Sowiet-
rußland siehe Larin, Evrei £ antisemitism v S.S.S.R., Moskau 1929.

8 Über die industrielle Entwicklung seit den achtziger Jahren vgl.
Hoetzsch a. a. O. 9. Kap., bes. 351f.; vgl. auch Wanag-Tomsinski,
Ekonomitscheskoe rasvitie Rossii, Moskau 1928. (Fine Chrestomathie!)
Für die letzte Zeit vor dem Kriege: Miller, Margaret S., The economic

development of Russla 1905/14, London 1926. Zur ersten Einführung sehr
geeignet das erste Kapitel von Friedrich Pollock, Die planwirtschaft-
lichen Versuche in der Sowjetunion 1917/27, Leipzig 1929. — Über die
Semstwos siehe die große Geschichte von Weselowski, Istorija semstwa,
4 Bde., Petersburg 1909f. Hier wird in Bd. 4 S. 215f. die entscheidende
Feststellung gemacht, daß die Führung in den Semstwos der Adel mit
mittlerem Grundbesitz hatte. Beim Konflikt der Semstwos mit dem herr-
schenden Regime spielte der Gegensatz lokaler Interessen g6g€en die
bürokratische Zentralisierung eine entscheidende Rolle. Aus Belokonski,

Semskoe Dwischenle, Moskau 1914, ergibt sich ein Einblick in das Wesen

der mit den Semstwos verbundenen Intelligenz, der Ärzte, Agronomen,

Angestellten usw., die in ihrer Opposition führte.

7 Siehe das über die Arbeitsmethoden der illegalen bolschewistischen