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Anmerkungen,
1929, zu verfolgen. Besonders wichtig sind die Thesen über den Friedens-
schluß 193 ff. In den Anmerkungen zu diesem Bande werden die innern
Parteikämpfe eingehend dargestellt. ,

Nicht nur die sog. Linkskommunisten (vgl. über sie Sorin, Partija *
opposizija, Moskau 1925) unter Führung von Bucharin und Radek be-
kämpften den Abschluß des annexionistischen Friedens mit dem imperia-
listischen Deutschland, auch Trotzki hoffte, durch seine Formel „Weder
Krieg noch Frieden“ die notwendige Zeit gewonnen zu. haben, um den
Ausbruch der deutschen Revolution abzuwarten. Lenin dagegen glaubte
nicht an den sofortigen Ausbruch der deutschen Revolution; er betonte
in der These 15, daß die Bauernmehrheit der russischen Armee sich
unbedingt für den Abschluß des Friedens aussprechen und den revolu-
tionären Krieg ablehnen würde, in der These 17, daß die Eröffnung des
revolutionären Krieges nur zu einem Sturz der russischen sozialistischen
Regierung führen würde, Die These 20 lautet: „Dadurch, daß wir den
Separatfrieden schließen, befreien wir uns in dem augenblicklich größt-
möglichen Maße von den beiden feindlichen imperialistischen Gruppen;
wir nützen ihre Feindschaft und ihren Krieg aus, die eine Einigung gegen
uns erschweren; wir nützen das aus und erhalten dadurch eine bestimmte
Zeit der Freiheit, um die sozialistische Revolution fortzusetzen und zu
befestigen. Die Neuorganisierung Rußlands auf der Grundlage der Dik-
tatur des Proletariats, auf der Grundlage der Nationalisierung der Banken
und der Großindustrie bei einem naturalwirtschaftlichen Produktions-
austausch der Stadt mit dörflichen Verbrauchergesellschaften kleiner
Bauern ist ökonomisch völlig möglich für den Fall, daß einige Monate
friedliche Arbeit gesichert wird. Eine solche Neuorganisierung wird den
Sozialismus in Rußland und in der ganzen Welt unbezwingbar machen
und zugleich eine feste wirtschaftliche Basis für eine mächtige große
Armee aus Arbeitern und Bauern schaffen.“

Wenn im Artikel „Brest“ der großen boschewistischen Enzyklopädie
Lenins Haltung als vorbildlich bezeichnet wird für die bolschewistische
Diplomatie in der sog. Übergangszeit, in der der proletarische Staat in
eine kapitalistische Umwelt hineingestellt ist, so gilt das ganz besonders
für die 20. These. Man muß natürlich, um ihre politische Bedeutung zu
erfassen, von der falschen Einschätzung der sog. Temposchwierigkeiten
durch Lenin absehen. Lenin glaubte, wie diese These beweist, an eine
schnelle Organisation des neuen Staates und die rasche Einführung einer
neuen Wirtschaftsordnung. Entscheidend ist die Vorstellung, daß es gilt,
Zeit zu gewinnen, um die bolschewistische Macht in Rußland zu behaupten
und Rußland politisch und wirtschaftlich völlig unabhängig zu machen.
Dabei müssen die innern Gegensätze der imperialistisch-kapitalistischen
Gegenspieler ausgenützt werden. Aber diese friedliche Aufbaupolitik
wartet doch noch auf den Moment der Entfesselung einer Revolution. Das
Wachstum des Sozialismus in einem Lande soll der Revolution dienen.
Vorzeitige Abenteuer, wie es etwa der Krieg im Jahre 1918 gewesen
wäre, würden nur der Weltrevolution schaden.