Anmerkungen, 315
Die Versorgung der Bauern mit Fabrikaten beitrug 13° der Versorgung
von 1912. 1920 war die Industrieproduktion auf 24%/0, die landwirtschaft-
liche auf 84%/o der Vorkriegszeit gesunken, Über die Langsamkeit, mit
der die Sozialisierung während des Kriegskommunismus durchgeführt
wurde, siehe Kwiring a. a. O0. 1724.

4 Zur allerersten Einführung geeignet: 5 arabianow, Neue ökono-
mMische Politik, Berlin 0. J.; Zusammenstellung der die NEP begründenden
Gesetze: Die neue Sowietgesetzgebung, Berlin 1922. Lenins Arbeiten von
der Einführung der Neuen ökonomischen Politik bis zum Ausscheiden aus
der Öffentlichkeit umfassen die beiden Bände XXVI und XXVIT der rus-
sischen Ausgabe. Aus diesen Schriften deutsch: Die Vorbedingungen und
die Bedeutung der neuen ökonomischen Politik Sowietrußlands, Leipzig
1928. Über den Stand der Industrie im Jahre 1925 unterrichtet der
materialreiche Bericht des GPU-Leiters und damaligen Vorsitzenden des
Volkswirtschaftsrates Dscherschinski, Promyschlenost] S. S.S.R., Mos-
kau 1925. Aus der zahlreichen Spezialliteratur sei außer Kwiring noch das
Sammelwerk von Miliutin-Swiderskl, Na putjach socialistitscheskogo
stroiteljstwa, Moskau 1923, hervorgehoben. Umiassende Literaturangaben
bei Pollock und Dobb.

Finen guten Einblick in die innere Struktur der Neuen ökonomischen
Politik gibt das Werk von Larin, Tschastnyl kapital w S.S.S.R., Moskau
1927. Larin unterscheidet drei Epochen in der Neuen ökonomischen
Politik: 1921/23 Erneuerung des privatkapitalistischen Finflusses; 1924/26
erfolgreiche Wiedererreichung der Produktionsziffern; seit 1927 Vor-
dringen des staatlichen Einflusses, der Planwirtschaft usW. Sehr be-
achtenswert ist Larins Schilderung der verschiedenen Methoden, mit
denen der Privatunternehmer das zum Betriebe notwendige Kapital sich
erwarb. Alle diese Methoden sind illegal, müssen aber angewandt werden,
da das durch die Zeit des Kriegskommunismus durchgerettete Kapital
sehr gering ist. Privatunternehmer treten als Agenten staatlicher Stellen
auf; sie schalten sich als Zwischenhändler in die Geschäfte staatlicher
Stellen ein, sie nützen Vorschüsse aus USW. Bemerkenswert Ist ferner die
Organisation von Scheingenossenschaften, da das die Betriebsführung

für den Privatkapitalismus erst rentabel macht; dabei bilden sich be-

stimmte Formen der Heimarbeitsorganisation heraus, die symptomatisch
dafür sind, daß die industrielle Produktion den Bedarf nicht befriedigt,

zu teuer ist USW. .

Das Grundproblem der neuen ökonomischen Politik ist das sog. Bündnis
(smytschka) des durch die kommunistische Partei vertretenen Prole-
tariats mit der Bauernschaft. Dabei muß dieses Bündnis der Doktrin
nach so gehandhabt werden, daß es nicht den Großbauern zugute kommt.
Die Industrie, die in Staatshänden ist, ist in ihrem Absatz auf die Bauern-
schaft angewiesen. Eine zu große Differenz in der Preishöhe zwischen
Industrie- und Agrarprodukten (die sog. Schere — vgl. Seraphim, Das
Scherenproblem in Sowjetrußland: Weltwirtschaftliches Archiv XXID
bedroht die staatliche Industrie, die Finanzierung der Einfuhr usw. Daher