Anmerkungen,

327

7 Vgl. Sorel, Über die Gewalt, Innsbruck 1928, 394.

8 Diese Notwendigkeit scheint bereits heute eingetreten Zu sein; in
Stalins Rede vom 23. Juni 1931 wird gefordert, die Lebensverhältnisse zu
bessern.

9 Fin entscheidendes Problem des bholschewistischen Wirtschaftsauf-
baues ist die Frage, ob er sich auf die Dauer technisch und ökonomisch
weiterentwickeln kann. Die bolschewistische Führung hat dieses Problem
in seiner entscheidenden Bedeutung klar erkannt. Mit allen Mitteln soll
die Erfindertätigkeit der Arbeitenden begünstigt werden. Im Unterschied
zum Unternehmerkapitalismus sei ja das planwirtschaftliche System an
der Beibehaltung von Produktionsmethoden, die nur für einzelne Werke
besonders rentabel sind, nicht interessiert. Das private Geschäftsgeheimnis

ist aufgehoben; es ist gleichsam in die Hände des Staates übergegangen,
Bisher sind alle großen wirtschaftlich-technischen Neuerungen von der

Außenwelt übernommen worden. Das gilt besonders für die Landwirt-

schaft, deren Umbau durch Übernahme der deutschen Düngemittel-

verwendung und der amerikanischen Betriebsformen sich vollzieht (vgl.

Zylko a a. 0). Ausdrücklich werden Verträge über technische Hilfe

mit ausländischen erstklassigen Spezialisten gefordert und abgeschlossen.

Gegen Nachlässigkeiten und Durchbrüche greift der zentralistische

Druck, der politische Terror usw., ein. Der wirtschaftliche Mißerfolg an

einer Stelle wird ja nicht, wie es der Theorie nach im Unternehmer-

kapitalismus der Fall sein soll, durch wirtschaftliche Schädigung des
einzelnen bestraft, sondern durch moralisch-gesellschaftliche Maßregelung.

Dabei wird vor allem in jüngster Zeit versucht, gesellschaftliche Aktivität

mit persönlicher Verantwortung zu vereinen — der Fabrikleiter soll etwa

dafür sorgen, daß die Voranschläge nicht überschritten werden USW. —
aber diese Vereinigung geschieht doch mit Hilfe des terroristischen Drucks
der Zentralorgane.
Es erhebt sich daher immer wieder die entscheidende Frage, ob es ge-
lingt, die neuen Industrieanlagen zu der vorgesehenen regulären Wirt-
schaftstätigkeit zu bringen, oder ob diese Neuerrichtung nur darum glückt,
weil die unermeßBlichen, unausgebeuteten Naturschätze und die Stärke der
politischen Gewalt, die keine Rücksichten zu nehmen braucht, den Wirt-
schaftsaufbau ohne Rücksicht auf Kosten und Opfer ermöglichen. Jeden-
falls beweist der Verlauf der bisherigen bolschewistischen Gesellschafts-
und wWirtschaftsarbeit in Rußland, daß große planwirtschaftliche
Wirtschaftsversuche nur in einem Staate mit stärkster Staatsgewalt, der
die öffentliche Meinung von oben bestimmt (wobel es gleich ist, ob diese
Bestimmung sich mit Recht oder Unrecht auf den Willen der Werk-
tätigen beruft), möglich ist. Parlamentarische Demokratie und Versuche
einer Planorganisation, der Bildung einer umfassenden Wirtschaftseinheit
schließen einander aus.
10 Die ganze Weltrevolutionstheorie Lenins ist von der Anschauung
bestimmt, daß die imperialistischen Mächte sich nicht untereinander
werden einigen. können. Die gesamte Außenpolitik der Sowietunion ist auf