5 In Kilo gramm 240] Deutsches Zollgebiet. Eisenverbrauch je Kopf der Bevölkerung in Kilogramm. Bis 1870 nach Sering, dann Erhebungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahl⸗Industrieller.) 20 200 180 —— 160 140 120 00 30 30 1857 44 54 18600 1870 1880 1800 900 die englische Eisenindustrie schwer getroffen worden ist, kann für Deutschland keine Ge— nugtuung bedeuten. Für die neue Über- legenheit des französisch- belgisch- luxembur-— gischen Wettbewerbs haben nicht nur die un— menschlich harten Friedensbedingungen und die Reparationssachlieferungen an Kohle und Koks und die Verschleuderung der hervorragenden deutschlothringischen Hüttenwerke an ihre neuen französischen Besitzer gesorgt, sondern auch eine kluge, zielbewußte Wirtschaftspolitik jener west- europäischen Länder. So diktieren heute die Eisenindustrien der Frankenländer die Weltmarktpreise. die auf einem bisher un— zekannten Tiefstand an— gelangt sind. Leider liegt zwischen Deutschland und den Frankenländern kein Armelkanal und keine Nord⸗ see als Grenze, die den Wettbewerb mildern könnten. Deswegen ist das Schutzbedürfnis der deutschen Eisenindustrie gegen den neuen starken Wettbewerb ungleich größer als früher gegen die englische Industrie. Zieht man eine Bilanz der Eisenwirtschaft in den letzten hundert Jahren, dann muß man feststellen, daß man vielleicht erst heute die Bedeutung der rüheren Aktiva der Eisen- und Stahlindustrie voll uind ganz ermessen kann. Für den Aufstieg der deutschen Eisenindustrie hat der weite Raum des frü— heren Zollvereins mit dem Saargebiet, Lothringen und Luxemburg sowie Ostober⸗ chlesien eine große Rolle zespielt. Dazu kam das gesicherte Reich und seine Wehrmacht, der die Eisen- ndustrie vieles zu verdanken at. Es herrschten geordnete Finanzen und eine zuver— ässige Währung; man er— reute sich ruhiger partei- oolitischer Verhältnisse und einer zufriedenen Arbeiter- schaft. Heute dagegen wird ast an allen Grundlagen von Staat und Wirt— chaft von draußen und drinnen gerüttelt. Wir müssen uns ferner eines grundlegenden Unterschieds in der Führung der Wirt- schaftspolitik von einst und jetzt bewußt ein. Die frühere Entwicklung unserer Industrie var nicht bloß abhängig von dem, was staat- icherseits geschah; ihr Gedeihen war vielmehr nuch davon abhängig, daß manches nicht geschah, daß vieles unterlassen wurde. Es gab früher eine weise Zurückhaltung des Staats gegenüber der Wirtschaft. Das betrachten wir, die wir iberzeugte Anhänger des kopitalistischen Wirtschaftssystem sind, nicht als eine Unter— — — — 1913 1925 1930