e6. 1I0. - (130 Marh) für die Tonne. Später
wurde der Zoll auf & 3. —.— (60 Mark) gesenkt.

Erste Periode des Zollvereins
(1834 1854).
In den deutschen Zollvereinsländern war man
im Zollschutz mäßig, obwohl man sich technisch
und wirtschaftlich im Rückstand befand. Beim
Abschluß des Deutschen Zollvereins 1834 über—
nahm man den preußischen Eisen—
zolltarif, da er vor allen anderen Ländern
die höchsten Zollsätze enthielt. Eine Ausnahme
bestand allerdings bei Roheisen, das, im Gegen—
satz zu andern Ländern, in Preußen als Roh—
stoff zollfrei eingelassen wurde. Für den preu—
ßischen Zentner von 110 Pfund hatte man

für Schmiedeeisen oder Gußwaren 1 Taler,

für Bleche und ODraht 3 Taler 20 Silbergr.,
für ordinäre Eisenwaren 6 Taler,

für feine Eisenwaren 10 Taler
Eingangszoll zu zahlen. Auf Tonne und Mark
umgerechnet machten die Zölle aus

kür Gußwaren, Stabeisen und Schienen

54 WMark,

für Bleche und Draht 90 Mark, n

für ordinäre Eisenwaren etwa 320 Mark,

für feine Eisenwaren 540 Mark.

Nach Serings „Geschichte der deutschen Eisen-
zölle“ sind die ganz einfachen Maschinen mit
einem Zoll von 60 Mark, die wertvollen Ma—
schinen viel höher und Lokomotiven mit Tender
mit über 300 Mark die Tonne geschützt worden.
Die Eisenverarbeiter waren also reichlich bedacht
worden, während die Hochofenbesitzer leer
ausgingen.

Die Folge dieses Zolltarifs war, daß wohl
die fremde Fabrikateinfuhr unterdrückt wurde,
daß aber die Roheiseneinfuhr bedeutend blieb.
Die heimische Roheisenerzeugung konnte jahre—
lang an dem stark steigenden Eisenverbrauch
keinen höheren Anteil erringen. In der
Krise der vierziger FJahre riß das
ausländische Roheisen mehr als die Hälfte
des deutschen Bedarfs an sich. Es war die
Zeit, in der die Preise für die Tonne schottisches
Gießereiroheisen auf 2. -. — (40 Mark) ge—
drückt waren. Damals waren die deutschen
Hochofenwerke geradezu dem Ruin preisgegeben,
aber die Roheisenabnehmer, die Puddelwerke
und Gießereien nebst dem Handel und den Ver—
brauchern begrüßten diese Einfuhr. Das Schicksal
der Holzkohlenhütten schien bereits damals be—
siegelt zu sein, da wurde 1844 zur Abwehr des
ausländischen Wettbewerbs ein bescheidener
Roheisenzoll von lso Silbergroschen gleich

WMark für 110 Pfund oder von 18 Mark für
die Tonne eingeführt. Dem damaligen Antrag,
den Zoll für Schmiedeeisen einschließlich Eisen-
bahnschienen um 50 v. H. auf etwa 80 Mark zu
rerhöhen, trat ein Zollvereinsland mit der Be—
gründung entgegen, man könnte sonst zu einer
Ausdehnung der Schienenerzeugung schreiten,
wie sie vielleicht nur vorübergehend nötig, aber
icherlich nicht den bleibenden künftigen An—
forderungen entspräche. Das geschah im Jahre
1842. So hat man also bereits vor 90 FJahren,
in den Anfängen des Eisenbahnbaus, Sorgen
vor einer „Uberkapazität“ der Schienenwalz-
werke gehabt! Professor Sering nennt das in
seinem Buch eine etwas „philiströs anmutende
Motivierung“. Die „Philister“ waren glück-
licherweise in der Generalkonferenz des Zoll—
hereins in der Minderzahl und haben die Zoll—
»höhung nicht verhindern können.

Leider aber wurde ein neuer schwerer Fehler
begangen, indem Preußen im belgischen
Handelsvertrag u. a. eine Senkung des
an sich schon zu niedrigen Roheisenzolls um
50 v. S. eintreten ließ. Infolgedessen trat nun
belgisches zur Einfuhr von englischem Roheisen
hinzu. Der ungenügende Zollschutz für
Roheisen ist geradezu Tradition geworden.
Diese grundfalsche Zollbehandlung hat zweifellos
ahlreiche Holzkohlenhütten zu einem vorschnellen
Tode verurteilt und zugleich das Emporkommen
der Kokshochöfen erschwert. Bei der Umstellung
der Hochofenwerke auf Koks hinkte Deutschland
länger als ein Menschenalter hinter den eng—
lischen Fortschritten her.

Der Wechsel von der Holzkohlen- auf Koks—
perwendung hat allmählich Causenden von Wald—
hütten das Leben gekostet. Namentlich mittel-
und süddeutsche Eisenhütten wurden damals der
Zollpolitik zum Opfer gebracht, während die
Puddel- und Walzwerke, die Eisengießereien und
die sonstige Verarbeitung gut vorankamen.

Ferner wurde der Steinkohlen—
bergbau zum Leben erweckt, und Eisenhütten
wie Kohlengruben gaben der Eisenverarbeitung
dauernd große Aufträge. Fast alle Steinkohlen—
reviere blühten auf, an der Ruhr, Inde, Wurm,
Saar, in Sachsen, Ober- und Niederschlesien.
Lange Zeit war Deutschland nächst England
)as größte Kohlenland der Welt.

Waren in den Jahren 1834 bis 1850
14 Aktiengesellschaften für Berg—
bau- und BSüttenwesen mit einem Gesamt—
kapital von 25 Millionen Talern gegründet
worden, so sah das darauffolgende Jahrzehnt
75 neue Gesellschaften mit 8o Millionen Talern
neuen Kapitals entstehen; in jener Zeit haben
sich Eisenhütten erstmals mit Steinkohlengruben