Abgeordneter Stumm vor—
ausahnend gesprochen hatte,
mußte die deutsche Eisen—
industrie um so tiefer nieder—
ziehen, je mehr ausländisches
Eisen im Laufe der zollfreien
Jahre 1877 bis 1879 eindrang.
Trotz der Verstärkung der
heimischen Erzeugung durch
Lothringen in Höhe von
17 v. H. wurde damals bis
zu einem Drittel des Gesamt—
bedarfs von der ausländischen
Eisenindustrie gedeckt. In der
Zeit der höchsten Eisennach—
frage waren 379 Hochöfen im
Feuer gewesen, von denen
jedoch bald über 100 aus—
geblasen worden sind.

In der Krise wurde das
Nachlassen der Nachfrage nach
deutschem Roheisen um so
fühlbarer, als der Zollfreiheit
hereits eine Bedarfs—
wandlung vorangegangen
war. Die Bedarfswandlung
bestand darin, daß das in
Aufnahme gekommene Bes⸗—
semerstahlverfahren
phosphorarmes Roheisen be—
nötigte, das leider aus den
deutschen Erzen ohne Bei—
mischung fremder Eisensteine
nur schwer herzustellen war.

Daher ist das Bessemer—

verfahren, für dessen An—

wendung allmählich über 80

Konverter aufgestellt waren,

den deutschen Hüttenleuten

sehr unbequem gewesen.

Kaum hatte man sich in

größerem Maße zur Einfuhr phosphorarmer
Erze aus Spanien und sonstigen Mittelmeerländern
entschlossen und sich auf große Erzverträge ein—
gelassen, da konnte man aus England, das
Selbstversorger in geeigneten Hämatiterzen war,
das Bessemerroheisen viel billiger beziehen als
in Deutschland herstellen. Damals schien es,
als ob der Ruin der deutschen Roheisenindufstrie
nicht mehr aufzuhalten sei.

Die Krise der siebziger FJahre hat sich
nicht nur auf die Eisen schaffende Industrie,
sondern auch auf die Gisenverarbeitung
erstreckt. Wie in der Gegenwart Lokomotiv—
und Waggonfabrikanten über die Auftrags—
einschränkung der Eisenbahn zu klagen haben,
so war es auch damals. Statt 1400 Ma—

Roheisengewinnung im Deutschen Jollgebiet.
In 1000t Eogarithmischer Maßstab.)
20000 j
5
29/. 191
7

*

27 * 100

1834 waren vereinigt: Preußen, beide Hessen, Bayern, Württemberg,
Sachsen und Thüringen.
Der Beitritt der übrigen Eisengebiete ist

schinen bekamen zu jener Zeit die deutschen
Lokomotivfabriken von den inländischen Eisen-
bahngesellschaften nur noch 2850 jährlich in Auf—
trag. Ferner klagten die Gießereien, der Ma—
schinenbau sowie die Eisen- und Stahlwaren-
fabrikanten über den zunehmenden englischen
und amerikanischen Wettbewerb und auch über
die Wirkung der staatlichen Ausfuhrvergütungen
Frankreichs. Der Rückschlag war allgemein.
Die Imwvestierungen im Bergbau, Hüttenwesen
und in zahlreichen Werkstätten der Eisen—
perarbeitung wie fast in allen sonstigen In—
dustriezweigen schienen eine dauernde Über—
kapazität aufzuweisen. Im Lauf der Jahrzehnte
bis zum Jahre 1870 waren in der ganzen Wirt—
schaft 410 Aktiengesellschaften mit einem Kapital