3. Die kapitalistische Unternehmung und das Gesetz der Massenproduktion. Diese ganz kurze Betrachtung sollte nur zeigen, welch große Wandlung durch die Entwicklung und Entfaltung der gewerblichen Tätigkeit im Zeitalter des Hochkapitalismus die produktionstech- nischen Grundlagen der Unternehmung durchgemacht haben. War der ältere Großbetrieb vor allem durch die vielen in ihm beschäftig- ten Arbeiter „groß“, so ist der moderne charakterisiert durch die wachsende Betonung des in Grundstücken, Gebäuden, Maschinen usw, investierten Kapitals, durch ein großes Anlage- und Betriebs- kapital; er wird zum Kapitalbetrieb. Jetzt bildet sich das heraus, was man als kapitalistische Unternehmung bezeichnet. Sombart Nennt sie diejenige Wirtschaftsform, deren Zweck es ist, durch eine Summe von Vertragsabschlüssen über geldwerte Leistungen und Gegenleistungen ein Sachvermögen zu verwerten, d. h. mit einem Aufschlag (Profit) dem Eigentümer zu reproduzieren®). Mögen den Unternehmer noch so verschiedene Motive in seiner Tätigkeit be- herrschen, immer muß die erste Triebfeder seines wirtschaftlichen Handelns sein, ein Plus an geldwertem Sachvermögen zu erreichen, will er nicht die Rolle eines kapitalistischen Unternehmers ausge- Spielt haben. Sombart spricht daher von einer „Objektivierung der Motivation“, die sich der persönlichen Willkür des Unter- Nehmers entzieht. Die kapitalistische Großunternehmung, deren Sein oder Nicht- Sein von der Verwertung des stehenden Kapitals abhängt, ist da- durch gekennzeichnet, daß durch die Einführung der technischen Neuerungen variable Kosten durch konstante ersetzt werden und daß von den Kosten überhaupt ein großer Teil „starr“ ist, d.h. €s sind Kosten, deren jeweilige Gesamthöhe nicht vom Beschäf- igungsgrad des Unternehmens, sondern von seiner Gesamtanlage abhängt, Kosten also, die unabhängig von der Ausdehnung der Produktion als stets gleichbleibende Größen in Rechnung gesetzt Werden müssen. Die Folge davon ist, daß sich die Produkte umso billiger stellen, je vollständiger der Produktionsapparat ausgenützt werden kann. Massenfabrikation und lückenlose stetige Produktion Wird zur kennzeichnenden Eigenschaft der neuzeitlichen industriel- len Entwicklung. Für die Unternehmung tritt daher das ein, was man als das „Gesetz der Massenproduktion‘“ bezeichnet. A —— 9) Sombart: Der moderne Kapitalismus, I. Bd.. S. 195. 7a