ist es nötig, die Kontroversen kennen zu lernen, die das Begriffs-
problem in reichem Maß gezeitigt hat. Sie treten bei einer syste-
matischen Gruppierung der Definitionen in verschiedenen Zweck-
angaben und Auffassungen über das Wesen des Kartells deutlich
zutage.

[. Die Definitionen.

Von einer wirtschaftspolitischen Problematik über die neuen
wirtschaftlichen Organisationsformen kann man in Deutschland
etwa seit 1883 sprechen, als Kleinwächter in seinem Buch „die
Kartelle“ als erster diese Gebilde der Allgemeinheit vorführte und
auf ihre Bedeutung für die Frage der volkswirtschaftlichen Organi-
sation hinwies. Es ist interessant, daß 10 Jahre früher, 1871/72
Brentano (die Arbeitergilden der Gegenwart) das neue Organi-
sationsgebilde der Gewerkschaft entdeckt und daß beide Autoren den
Zusammenhang mit mittelalterlichen Gebilden feststellen, also eine
Art Rückkehr zu Gilden und Zünften bei Unternehmern wie auch
bei Lohnarbeitern. Kartelle und Gewerkschaften entstehen spontan,
freiwillig, ohne staatliches Machtgebot; sie entwickeln sich praeter
legem.

Nach Kleinwächter sind die Kartelle „Übereinkommen
der Produzentenund zwar der Unternehmer der
nämlichen Branche, deren Zweck dahin geht,
die schrankenlose Konkurrenz der Unterneh-
mer untereinander einigermaßen zu beseiti-
Zen und die Produktion mehr oder weniger der-
art zu regeln, daß dieselbe annähernd dem Be-
darf angepaßt werde, speziell beabsichtigen
die Kartelle eine etwaige Überproduktion zu
verhindern“. (S. 126).

Kleinwächter glaubt, daß die noch unfertigen Kartellgebilde
Sich so entwickeln werden, daß sie wie die Zünfte im Mittelalter
für das Stadtgebiet jetzt in geänderter zeitgemäßer Form für das
ganze Staatsgebiet die Produktion unter staatlicher Aufsicht regeln
werden. Als Zukunftsbild sieht er dann die wunderbare Organi-
sation der mittelalterlichen Volkswirtschaft in neuer Form aus den
Kartellen entstehen, die den anarchischen Zustand in den Pro-
duktionsverhältnissen beseitigen werden. Nach Kleinwächter ist
für die Kartelle wesentlich: die gleiche Produktionsrichtung, die