nämliche Branche und eine ungefähre Bedarfsfeststellung des
Kreises, für welchen die Kartelle gelten. Die entwickelteren Kar-
ellgebilde seien ohne eine gewisse Monopolisierung der wichtig-
sten Produktionszweige nicht wohl denkbar. „Denn wenn die Pro-
duktion dem Bedarf angepaßt werden soll, müssen die betreffen-
den Produzenten, die für den Gesamtbedarf arbeiten, auch die
Sicherheit haben, daß ihre Pläne nicht von anderer Seite durch-
<reuzt werden, daß nicht von anderer Seite der Markt mit den-
jenigen Artikeln überflutet wird, deren Produktion sie eben mit
Rücksicht auf den „Marktmagen‘“ (um den Marx’schen Ausdruck
zu gebrauchen) in Schranken halten“. (S. 83).

Sofort erheben sich bei dieser Charakterisierung verschiedene
Fragen: sind Kartelle Monopolgebilde? Und was ist unter einem
Monopol zu verstehen? Ferner: Wollen die Kartelle das Spiel der
ireien Konkurrenz beseitigen oder einschränken? Auf den ganzen
Fragenkomplex, der sich bei der Betrachtung der begrifflichen
Formulierungen ergibt, soll im zweiten Abschnitt eingegangen
werden.
Ähnlich wie Kleinwächter definiert Brentano in seinem
Werk: „Über die Ursachen der heutigen sozialen Not“, Leipzig
1889, die Kartelle als „Vereinigungen von Produzen-
ten, um durch planmäßige Anpassung der Pro-
duktion an den Bedarf einer Überproduktion
und den sie begleitenden verhängnisvollen
Folgen: Preissturz, Bankerott, Kapitalentwer-
tung, Arbeiterentlassung und Brotlosigkeit
vorzubeugen“, Der Grundgedanke ist der: den heimischen
{ndustriezweigen soll der stetige Betrieb zu Preisen, welche ihr
Fortbestehen ermöglichen, gesichert werden. (S. 23) 1894 befaßte
sich der Verein für Sozialpolitik mit der Kartellfirage (Schriften
des Vereins für Sozialpolitik Bd. 60/61, Leipzig 1894/95). Durch
Materialsammlung über deutsche und ausländische Kartelle wurde
die Tagung vorbereitet. Der Referent über das deutsche Kalikar-
tell, Engelcke benützt die Definition von Kleinwächter und
sieht den Hauptzweck aller Kartelle in der Verhinderung der durch
Überproduktion hervorgerufenen Krisen.

Nach Kleinwächter, Brentano und Engelcke sind also Kar-
telle Präventivverbände gegen durch „Überproduktion‘“ entstehende
Krisen, Schutzmittel gegen die Sinnwidrigkeit eines auf die Spitze
vetriebenen ruinösen Wettbewerbs, Verbände, die durch Anpassung

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