Andererseits müssen die Kartelle, um die Konkurrenz regu-
lieren zu können, in ihrer Anlage quantitativ wenigstens so stark
sein, daß der Markt in einer gewissen Abhängigkeit von ihnen steht,
so daß trotz vorhandener Konkurrenz die unter Berücksichtigung
der allgemeinen Konjunkturlage kalkulierte Absatz- und Gewinn-
norm erreicht werden kann.

Bezeichnet man nun das Monopol in weiterem Sinn als den Zu-
sammenschluß der Anbieter zu einem so beträchtlichen Teil, daß
durch ihr Verhalten auf dem Markte die Preisbildung merklich be-
einflußt werden kann (Weiß), so muß man das Kartell als monopo-
listische Organisation bezeichnen. Denn es muß beim Kartell immer
die Potenz vorhanden sein, sich nicht vom Markte treiben zu lassen,
sondern ihn einer künstlichen Korrektur unterziehen zu können.

Nach Halm*’) entscheidet über den Tatbestand „monopoli-
stische Organisation“ die Beeinflussungsmöglichkeit, nicht die künst-
liche Überhöhung des Preises. Diese Beeinflussung sieht Halın
schon dann gegeben, „wenn die Vereinigung lediglich die Rückkehr
zur Höhe des normalen Konkurrenzpreises ermöglicht und beab-
sichtigt“. Denn dann sei dieser Preis kaum als wirklicher Kon-
kurrenzpreis und die Vereinigung zweckmäßig als monopolistisch
zu bezeichnen, da sich der Preis nicht völlig frei durch die Kon-
kurrenz bilde, sondern durch gemeinschaftliches Vorgehen regu-
liert werde.
3.Die Relativitätder Monopolstellungundihre
Berücksichtigung durch eine vernünftige
Kartellpolitik.

Die Kartelle sind nun im Gegensatz zu den natürlichen auf der
Unvermehrbarkeit gewisser Güter und Leistungen beruhenden
Monopolen und den rechtlich verliehenen und gesetzlich geschütz-
ten Monopolen privatwirtschaftlich organisierte relative Monopol-
gebilde, d. h. sie entstehen durch Vertrag und sind nur in ihrer An-
lage monopolistisch, dagegen bedeuten sie keine Ausschaltung der
Konkurrenz. Es wäre vollständig falsch, anzunehmen, daß mit den
Kartellen die Konkurrenz beseitigt sei. Sie ist nur verändert, nicht
aufgehoben worden. Denn die Kartelle sind nur „potentielle“ Mono-
pole, wie Halm sie nennt, hinter denen die potentielle Konkurrenz
in akuter und latenter Form steht. Die Möglichkeit monopolistischer
ı7) Halm, Monopolistische Bestrebungen der Gegenwart im Ergänzungs-
band zum Handwörterbuch der Staatswissenschaften..

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