Die papiererzeugende Industrie ist in ihrer gegenwärtigen Struktur
entscheidend bestimmt durch die technischen Wandlungen, die im Laufe
des 19. Jahrhunderts den Herstellungs- und Verarbeitungsprozeß des
Papieres von Grund auf veränderten. Während sich vorher die papiererzeugende
 Industrie lediglich — ihren beiden Endprodukten entsprechend
 — in Papier- und Pappenerzeugung teilte, sonderte sich mit
dem Aufkommen der Holzverarbeitung, die in der zweiten Hälfte des
vorigen Jahrhunderts neben und an die Stelle der Hadern- und Altpapierverarbeitung
 trat, die Halbzeugherstellung von der eigentlichen
Papier- und Pappenherstellung ab. Die Absonderung der Halbzeugherstellung
 ging so weit, daß diese sich in Yielem als durchaus selbständige
 Industrie entwickelte. Zur eigentlichen Papier- und Pappenindustrie
 trat die Holzechliffindustrie und die‘ Zellstoffindustrie hinzu.
Damit war eine produktionstechnisch bedingte Wandlung eingeleitet,
die der papiererzeugenden Industrie ein wirtschaftlich vollkommen neues
Gepräge verlieh und ihr vor allem den Anstoß zu einer großindustriellen
Entwicklung gab.
Die Nachfrage nach Papier war schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts
 in bedeutendem Ausmaße gestiegen. Im Jahre 1818 veröffentlichte
 Alois Senefelder sein „Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey““
und verhalf damit seiner Erfindung, mit einem geätzten, gummierten
und gefeuchteten Stein zu drucken, auf dem die Zeichnungen mit fetter
Kreide oder Tusche aufgezeichnet wurden, zu rascher Verbreitung;
Noten- und Landkartendruck und Ilustrierung von Werken (besonders
auch von technischer Literatur) zogen daraus den größten Nutzen.
Schon ungefähr ein Jahrzehnt früher hatte Friedrich König in England
die erste Schnellpresse gebaut, die den Anstoß zu einer raschen Entwicklung
 der Zeitungs- und Werkdruckpresse gab.
Der damaligen Bedarfssteigerung stand jedoch ein erheblicher
Mangel an Rohstoffen, Altpapier und Hadern, gegenüber. Der Rohstoffmangel
 machte sich um so fühlbarer, als ungefähr gleichzeitig mit
dem Druckgewerbe, das mit der Erfindung der Schnellpresse den ersten
Schritt zur industriellen Entwicklung tat, auch die Papierindustrie
begonnen hatte, ihr ausschließliches Handwerktum abzulegen. Um die
Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden in Frankreich und England
die beiden Formen der Papiermaschine, die Lang- und die Rundsiebmaschine,
 erfunden und entwickelt, und damit die Möglichkeit geschaffen.
ein endloses Papierband zu erzeugen.
Von dem Mißverhältnis zwisehen der Absatzmöglichkeit und der
Produktionstechnischen Ausrüstung einerseits und dem durch den Roh-