stoffmangel gehemmten Produktionsumfang andererseits wurde die
papiererzeugende Industrie erst durch die Nutzbarmachung des Holzes
als Papierrohstoff befreit. 1843 erfand der Webermeister Keller in
Sachsen den Holzschliff, d. h. einen Papierstoff, der durch mechanisches
Abschleifen von Holz unter Wasserzusatz als Faserbrei gewonnen
wird. Vor allem aber wurden in den achtziger Jahren des vergangenen
 Jahrhunderts an chemisch aufgeschlossenem Holz (Zellstoff)
Eigenschaften aufgewiesen, die die auch heute noch manchmal gewählte
Bezeichnung „Surrogat“ als zu Unrecht angewandt erscheinen läßt.
Mehr als 15 Jahre dauerte es, bis die Erfindung des Holzschliffes
zur praktischen Auswertung kam. Dann allerdings führte sie schnell
zur Gründung einer großen Zahl von Holzschleifereien. Behoben
wurde die Hadernnot dadurch noch nicht... Für die Feinpapierfabrikation
 war der Holzschliff als Rohstoff ungeeignet. Auch die Herstellung
 von geringeren Papiersorten, von Druck- und Packpapier, blieb
infolge der mangelnden Festigkeit und Dauerhaftigkeit, die aus Holzschliff
 allein erzeugte Papiere zeigen, auf einen Hadernzusatz angewiesen.
 So sehr deshalb auch der Rohstoffmarkt durch die zunehmende
Holzschliffverarbeitung entlastet wurde, so war doch die Möglichkeit
zu einer Emanzipation der Papierindustrie von der Hadernrohstoffbasis
 erst gegeben, als der einmal beschrittene Weg der Holzerschließung
in einem chemischen Aufschlußverfahren zur Erfindung des Zellstoffes
führte. Die Zellstoffherstellung machte überaus schnelle Fortschritte
und enthob, da selbst holzechliffhaltige Papiere, die mit einem Zusatz
von Zellstoffasern erzeugt werden, eine sehr gute Festigkeit aufweisen,
nieht nur die Produktion geringerer Papiersorten fast restlos der Notwendigkeit,
 noch weiter Hadern zu verarbeiten, sie bedeutete auch für
die Herstellung der meisten besseren Papiersorten einen vollwertigen
Ersatz der Hadern. Nur einzelne besondere Druckpapiere und einzelne
hochwertige Spezialpapiere erforderten noch einen Hadernzusatz; nurmehr
 wenige Papiere blieben auf eine ausschließliche Hadernverarbeitung
 angewiesen.
Der Nutzbarmachung des Holzes schloß sich eine Nutzbarmachung.
von Stroh als Gelbstrohstoff und Strohzellstoff an. Doch war die Bedeutung
 der Stroherschließung keineswegs mit der der Holzerschließung,.
zu vergleichen, zumal der Gelbstrohstoff sich nur zur Herstellung geringwertiger
 Papiere und Pappen und der Strohzeilstoff sich wegen der
Kürze seiner Faser nur als Zusatz zu besseren Papieren geeignet zeigte.
Die umfassende Verschiebung der Rohstoffbasis von der verknappten
 Altpapier- und Hadernbasis auf die reiche Holzbasis machte
nicht nur den Weg frei zu einer der Bedarfsausweitung konformen Produktionssteigerung,
 sondern legte zugleich mit der Sicherstellung des
Rohetoflbedarfes auch die technische Grundlage für eine Produktionssteigerung
 in großindustriellem Ausmaße. Mit der Technik der Holzverarbeitung
 waren die Vorbedingungen für eine Breiten- und Geschwindigkeitssteigerung
 der Papiermaschine gegeben, die heute in ihren
größten Ausmessungen ein Papierband von 6 m Breite bis zu 300 m/min
arzeugt und ohne Unterlaß aufwickelt,