Rohstofforientierung bedeutete somit zugleich auch eine gewisse Absatzorientierung
 und traf sich mit der durch das Lumpenregalwesen verstärkten
 Tendenz, Papierfabriken möglichst in der Nähe der Bedarfsorte
 und großen Handelsstraßen anzulegen.
Diesen Voraussetzungen entsprechend waren die wichtigsten Standorte
 der papiererzeugenden Industrie in Deutschland ursprünglich im
Rheinland, am Nordabhang der Eifel, zwischen Köln und Aachen, insbesondere
 in der Nähe von Düren mit seinem großen Textilgewerbe;
im Elsaß, am Abhang der Vogesen, in der Gegend von Straßburg und
Mülhausen, dem Sitze zahlreicher Webereien; im Schwarzwald und im
Fränkischen Jura, den ältesten Standorten der vom Süden nach Deutschland
 eingewanderten Papierindustrie, in der Nähe der alten Handelsplätze
 und Verkehrsstraßen; im sächsischen Erzgebirge, das infolge
seiner großen Erdschätze und des Gewerbefleißes seiner Bewohner schon
[rüh eine dichte Bevölkerung aufwies, und im schlesischen Riesengebirge
mit seinen sehr reinen Wassern und der günstigen Lage zu dem östlichen
 Rohstoffimport. .
Als um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert der Wind als
Triebkraift nutzbar gemacht werden konnte, wurden, dem Beispiel der
blühenden holländischen Industrie folgend, auch in Deutschland Windpaplermühlen
 errichtet. Damit wurde auch die nördliche Hälfte Deutschlands
 zum Standortsgebiet der Papierindustrie; nur hier erlaubten die
regelmäßigen Luftströmungen die Nutzbarmachung der Windkraft.
Hauptstandorte blieben aber nach wie vor die oben genannten Gebiete,
wenn auch vielfach im Anfang des 19. Jahrhunderts aus politischökonomischen
 Gründen — wie es in Brandenburg schon unter Friedrich
dem Großen der Fall war — das Entstehen neuer Papierfabriken auch
‘n Gegenden mit geringen Standortsvorteilen begünstigt wurde.
Eine entscheidende Wandlung in den Standortsverhältnissen trat
arst um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Sie führte allerdings zunächst
 weniger zu einer geographischen Verschiebung als zu einer standortsmäßigen
 Arbeitsteilung. Die Standorte Sachsen und Schlesien
waren gegenüber den anderen Standorten, insbesondere dem Rheinland,
immer mehr dadurch benachteiligt worden, daß sie vom Rohstoffbezuge
abgeschnitten wurden. Die Einfuhrpolitik des Deutschen Zollvereins
unterband den Import der Leinenhadern aus Galizien und Böhmen und
drängte die ostdeutsche Papierindustrie auf den illegitimen Lumpenhandel
 ab. Außerdem konzentrierte sich der um 1800 aufgekommene
selbständige Lumpenhandel immer mehr und mehr an den Rheinhäfen,
wo große Lumpensammelplätze für ‚den amerikanischen Bedarf eingerichtet
 wurden. Die durch diese Verschiebungen begünstigte Lage
der westdeutschen, insbesondere der rheinischen Industrie gegenüber
der ostdeutschen Papierindustrie, drohte für diese um so gefährlicher
zu werden, als die Verbesserung der Verkehrswege, vor allem aber die
Einführung der Eisenbahn den Absatzradius der begünstigten westlichen
 Industrie stark erweiterte. Diese Schwierigkeiten der sächsischen
und der schlesischen Papierindustrie wurden durch die Erfindung des
Holzschliffes überwunden. Sie hatte die zur Holzverarbeitung notwendigen
 starken Wasserkräfte und konnte durch Umstellung von der

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