Lumpenverarbeitung auf die Holzverarbeitung neue Lebensmöglichkeit
gewinnen, — wenn auch vielfach, da sich der Holzschliff nur zur Herstellung
 geringerer Papiersorten geeignet zeigte, unter Aufgabe der
Feinpapierfabrikation und durch Übergang zur Herstellung von geringwertigeren
 Papiersorten, insbesondere Druck-, Packpapier und Pappe.
Von hier datiert die auch heute noch allgemein bestehende Arbeitsteilung
 in der Papierindustrie derart, daß die Produktion von geringeren
 Papiersorten vornehmlich im Osten Deutschlands, insbesondere
in Sachsen und Schlesien, ihren Standort hat.
Mit der Umstellung auf die Produktion von Holzpapier war zUgleich
 auch der erste Schritt zu einer teilweisen Loslösung vom Wasser
als dem entscheidenden Standortsfaktor getan. Die Holzpapiere stellen
keineswegs die gleichen hohen Anforderungen an die Qualität des
Wassers wie die Feinpapiere. Als dann die Technik der künstlichen
Reinigung des Wassers fortschritt und die zunehmende Verunreinigung
der Gewässer auch viele Gebirgsfabriken zwang, Klärbassins anzuschaffen,
 war das Wasser für die Holzpapierfabrikation nur noch als
Energiequelle, nicht‘ mehr als Fabrikationsmittel lokalisiert. Damit
aber konnte auch in der papiererzeugenden Industrie die Kohle als
Standortefaktor in Konkurrenz mit dem Wasser treten. Für die Kohle
sprach, daß sie eine Aktivierung größerer Einheiten erlaubte und einen
im Gegensatz zum wechselnden Wasserstand gleichmäßigeren Energieträger
 darstellte. Außerdem wurden mit der fortschreitenden Leistungsfähigkeit
 der Papiermaschinen zur Heizung der Trockenzylinder sowieso
schon immer größere Mengen Kohle gebraucht, so daß eine transportmäßig
 günstigere Beschaffung der Kohle ohnehin von zunehmender Bedeutung
 war. Allmählich, in den achtziger und neunziger Jahren des
vorigen Jahrhunderts, begann in der schlesischen und sächsischen
Papierindustrie eine Abwanderung aus den Gebirgstälern in die Ebene
hinaus. Doch blieb die Abwanderung zur Kohle in beiden Standortsgebieten
 vorerst noch in engen Grenzen. In Schlesien genügte den
meigten Betrieben die Bezugsmöglichkeit aus dem niederschlesischen
ınd Waldenburger Revier, und auch in Sachsen, wo ein geringes Abwandern
 zur Ebene hin einen günstigen Einkauf der insbesondere auf
dem relativ billigen Wasserweg der Elbe herangeschafften Braun- und
Steinkohle sicherte, nahm die Verschiebung zunächst keinen größeren
Umfang an. Der Rohstoff Holz machte gegenüber der Abwanderung
zur Energiequelle Kohle seine Anziehungskraft geltend.
Die Holzechliffgewinnung war ursprünglich den bestehenden
 Papierfabriken angegliedert worden; jedoch vermochte sie sich
in Kombination mit der Papiererzeugung nicht durchzusetzen. Obgleich
Holzechliff auf mechanischem Wege in Wassertriebwerken hergestellt
wird und eine Anpassung an die Papierfabrikation relativ einfach war,
entwickelte sich die Holzschlifferzeugung als selbständige Industrie.
Alte Spinnereien und Mahlmühlen, aber auch Brettsägen und alte Eisenhämmer,
 vielfach auch Papiermühlen selbst wurden zu Holzechliffbetrieben
 umgebaut und blieben dann selbständige Werke, die ihre
Ware dem reinen Papiermacher lieferten. Der Standort der Holzschliffbetriebe
 blieb damit derselbe wie der der alten Papierbetriebe.

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