Außer dem Wasservorkommen, das die Holzschliffindustrie in noch
stärkerem Maße als die Papierindustrie als Energiequelle brauchte.
fesselte der Waldreichtum sie an die Gebirgsabhänge. Die Holzschliffindustrie
 konnte darum auch nur in geringerem Umfange als die Holzpapierindustrie
 die Abwanderung zur Kohle mitmachen. Da das Holz
bei der Verarbeitung zu Holzschliff ein starkes Verlustmaterial ist und
zugleich das aus Holzschliff hergestellte Papier geringwertig ist, war
eine Verteuerung, wie sie der Holztransport mit sich brachte, nur schwer
zu tragen, — zumal schon ohnehin ein teureres Betriebsmaterial wie die
Kohle kaum in die Differenz zwischen dem Preis des Rohstoffes und
dem Preis des Fertigfabrikats einzukalkulieren war. Gegenüber diesen
Nachteilen, die für die Holzschliffindustrie mit der Abwanderung zur
Kohle verbunden waren, verschlug auch nicht der — keineswege unbedeutende
 — Vorteil, daß die Kohle im Gegensatz zum Wasser eine
gleichmäßige Energiequelle darstellt. Den meist kleinen Gebirgsbetrieben
 genügten weiterhin die vorhandenen Wasserkräfte, zumal man
sich späterhin bemühte, durch Bereitstellung von Reservekraft die Unregelmäßigkeit
 vieler Wasserkräfte auszugleichen und durch stärkeren
Ausbau der Wasserkraftanlagen auch das Spitzenwasser voll auszunutzen.
 Da der Holzechliff aber wegen seines hohen Transportwiderstandes
 mehr oder weniger auf eine Verarbeitung an Ort und Stelle
dder wenigstens im eigenen Bezirk angewiesen ist, mußte die Bindung
der Holzschleifereien an die alten Standorte in den Gebirgstälern zuzleich
 auch die Abwanderung der Holzpapierfabriken zur Kohle hemmen.
Nur bei günstigen Standortsverhältnissen für Kohle- und Holzbezug
konnten die Holzschliffbetriebe zum Tale abwandern, und ebenso konnten
nur bei günstigen Standortsverhältnissen für Kohle- und Holzschliffbezug
 die Holzpapierfabriken zum Tale abwandern.
Soweit eine Abwanderung stattfand, ergaben sich zwangsläufig die
größeren Flußtäler am Fuße der Gebirgsabhänge als neue Standorte.
Dabei brachte es die gegenseitige Verbundenheit der Holzpapierindustrie
und der Holzschliffindustrie zwangsläufig mit sich, daß die Holzechliffindustrie
 bei ihrer Abwanderung auf die Nähe von Holzpapierfabriken
bedacht sein mußte, wie umgekehrt die Holzpapierfabriken auf den
günstigen Bezug des Holzechliffes angewiesen blieben und deshalb die
Nähe von Holzschliffbetrieben beachten mußten. Das Ergebnis war,
laß bei den ins Tal ziehenden Betrieben meist Betriebskombinationen
Platz griffen. Die Abwanderung in die Ebene und die Tendenz zur
Betriebskombination wurde wesentlich verstärkt, als der Holzbezug in
den Gebirgsgegenden knapper und teurer wurde und die Verbesserung
der Dampftechnik ein rationelles Arbeiten auch mit größeren Einheiten
von Dampfmaschinen ermöglichte. Dadurch traten die auf geringer
Holzfracht und billiger Wasserkraft beruhenden Vorteile der Gebirgslage
 immer mehr und mehr zurück gegenüber den Nachteilen: teure
Fertigfabrikatfrachten und Regieverteuerung durch inkonstante Energie.
Doch blieb sowohl in Sachsen als auch in Schlesien eine Menge vornehmlich
 kleiner und kleinster Betriebe in den Gebirgsabhängen sitzen. Im
allgemeinen bedeutete die Abwanderung der Holzschliff- und der Holzpapierindustrie
 zum Tal mehr eine Erweiterung der Standorte als eine