eigentliche Abwanderung. Dieselbe Verschiebung zeigte sich auch in
Oberbayern und Mitteldeutschland, wo sich nach der Umstellung auf
Holz und der Verbesserung der Technik eine analoge Erweiterung der
Standorte ergab.
Die Feinpapierindustrie wurde durch die Erfindung des Holzschliffes
 in ihrer Standortslage nicht beeinflußt. Sie blieb primär nach
dem Wasser bestimmter Menge, Energie und Reinheit kraftstoff- und
materialorientiert und sekundär nach den Hadern rohstofforientiert.
Erst als sich mit Erfindung des Zellstoffes das Holz auch für die Feinpapierfabrikation
 als geeigneter Rohstoff erwies, traten auch bei der
Feinpapierindustrie Standortsveränderungen ein. Im Gegensatz jedoch
zur Holzpapierindustrie, bei der die neue Vorstufe der Produktion, die
Holzeschliffindustrie, größere Standortsbeharrung zeigte und die treibende
 Kraft mehr die Papierfabriken waren, zeigten bei der Feinpapierindustrie
 die Papierfabriken das Beharrungsvermögen; die neue
Vorstufe der Produktion, die Zellstoffherstellung, war der Ausgangspunkt
 zur Standortsverschiebung und -erweiterung. Die Zellstoffherstellung
 war von vornherein wegen der Abwässer, ihres großen
Brennstoffverbrauches und des bei ihr besonders stark wirkenden Gesetzes
 der Kostendegression auf die Lage an größeren Flußläufen und
den Großbetrieb angewiesen. Sie zog deshalb am weitesten ins Tal,
und zwar in die Nähe solcher größeren Wasserstraßen, die einen möglichst
 günstigen Kohle- und Holzbezug gewährten, und von wo aus ein
möglichst großes Hinterland mit Papierfabriken als Absatzgebiet beherrscht
 werden konnte. Die schnell wachsende Bedeutung des. Holzbezuges
 aus dem Auslande und des Exports von Zellulose verstärkte
noch die Standortsorientierung nach großen Wasserstraßen, so daß
sich die Zellstoffindustrie weit ins Tal hinunter und im Osten bis an
die Ostseeküste hin ansiedelte. Von diesen ihren Standorten aus, den
Flußgebieten des Rheins und des Maine, der Elbe und der Oder und
den Mündungsgebieten der Stolpe, des Pregels und der Memel, wirkte
die Zelluloseindustrie dann für einen großen Teil der Papierindustrie
als standortgestaltende Kraft.
Zunächst sah sich die Zellstoffindustrie gezwungen, die abfallenden
 Qualitäten, Sekunda-, Tertia- und Astzellulose, selbst zu verarbeiten.
 Hieraus entwickelte sich dann in zunehmendem Maße eine
Fabrikation von Zellstoffpackpapieren auch aus Primazellulose, die den
üblichen Grau-, Braun-, Schrenz- und Strohpapieren qualitativ überlegen
 waren. Die Zellstoffabriken verloren fast völlig ihren Charakter
als reine Zellstoffbetriebe und wurden Hauptstandorte der Massenpapierfabrikation,
 überwiegend für Packpapier und in größerem Maße
auch für andere Zellstoffmassenpapiere. Der Aufnahme auch der Zeitungsdruckpapierfabrikation
 durch Zellstoffbetriebe stand meist die notwendige
 Verwendung von Holzschliff entgegen. Nur wenige Zellstoffbetriebe
 haben mit Aufnahme einer größeren Holzechliffproduktion auch
für die Zeitungsdruckpapierproduktion standortsbestimmend gewirkt.
Öfters dagegen zogen sie die Holzschliffproduktion deshalb an ihre
Standorte, weil sie ihnen ermöglichte, die Massenproduktion auch von
holzhaltigzem Pacekvapnpier aufzunehmen.

Azu

