nach ihrem Kartellgehalt zu systematisieren, so ergibt sich eine allgemeine
 Dreiteilung in lose Preiskartelle, qualifizierte Preiskartelle und
die Syndikate.
Die weit überwiegende Zahl der obengenannten Vereinigungen hat
die Form von losen Preiskartellen. Ihre eigentliche Entstehungszeit
 ist — nach mannigfachen, bis in die neunziger Jahre des
vorigen Jahrhunderts zurückreichenden, aber nie von nachhaltigerem
Erfolge begleiteten Kartellgründungen — die Kriegs- und Inflationszeit.
Damals war ihre wichtigste Aufgabe, auf die Erhaltung der Substanz
der Betriebe hinzuarbeiten. Diese Aufgabe mündete in die Zurückführung
 zum Goldpreis, die in den Konventionen der papiererzeugenden
Industrie bereits im Juli 1923 einsetzte und bis weit in die Nachinflationezeit
 hinein die Kartellpolitik in der papiererzeugenden In-Justrie
 beherrschte. Allmählich glitt dann die Aufgabe der Goldpreisfndung
 hinüber in die ihr zugrunde liegenden konservierenden Elemente,
 die „richtige Kalkulation“ wurde als Norm in den Vordergrund
der Kartellpolitik gestellt. Daß gerade ihr in der papiererzeugenden
[nduetrie eine entscheidende Bedeutung zufällt, ist durch die Höhe des
fixen Kapitalanteils bedingt. Auf die Vernachlässigung der fixen Kosten,
ingbesondere der Abschreibungs- und Regiekosten, werden die beiden
preiszerstörenden Elemente zurückgeführt: die gelegentliche Anfertigung
betriebsfremder Sorten und die mangelnde Spezialisierung. Um diese
beiden Fragen Kkristallisiert sich auch heute noch das Kartellproblem
der papiererzeugenden Industrie; sein Kern ist, die richtige Kalkulation
als Grundlage exakter Preisfindung herauszustellen und damit zugleich
eine Orientierung über das Produktionsprogramm zu schaffen. Diese
letzte Aufgabe steht im engsten Zusammenhang mit der Aufgabe der
Selbstkostenermittlung, sie ist ihr Ziel und ihre Ursache. Denn die
weitgehende technische Umstellungsmöglichkeit der Papiermaschine
wirkt sich kartellpolitisch, mitunter aber auch gesamtwirtschaftlich, solange
 störend aus, als die Betriebe in Unkenntnis einer richtigen Kalkulation
 geneigt sind, bei schlechten Preislagen der von ihnen hergestellten
 Produkte ihr Produktionsprogramm zu ändern. Sie bieten
sich dadurch gegenseitig fortwährend eine latente und von Fall zu Fall
eine akute Außenseiterkonkurrenz, die vom Schrenz- bis zum Kunstdruckpapier
 eine ständige Gefahr für den Preisstand darstellt. Diese
Gefahr galt es, auf ihr wirtschaftlich berechtigtes Maß zurückzuführen;
die latente Konkurrenz sollte nur dann akut werden können, wenn die
Preise in einem Produkt so liegen, daß sie für den diesen Artikel neu
aufnehmenden Betrieb nicht verlustbringend sind. Um die Unterlagen
für die „Grenzen berechtigter Konkurrenz“ zu schaffen, wurden die
Preise auf Grund eingehender Kalkulation im Jahre 1925 neu ermittelt.
Außerdem wurde 1926 vom Gesamtausschuß der Fachgruppen eine
Studienkommission für das Rechnungswesen in der Papierindustrie ins
Leben gerufen, deren Forschungsergebnisse in einer Kalkulationsanweisung!)
 niedergelegt sind. Die Mängel des Systems liegen darin, daß

ı) Veröffentlichungen der Studienkommission für das Rechnungswesen in der
Papierindustrie, Berlin-Charlottenburg, 1927/28. I: Richtlinien für eine kaufmän-145


0 ZEnquete-Ausschuß, I 5, Band 10,