Die internationale Zollpolitik legt der deutschen Zeitungspapierindustrie
 in der Erweiterung ihrer Produktionskapazität starke Beschränkung
 auf. Zwar haben die Vereinigten Staaten ihren Vorzugszoll
 für den kanadischen Zeitungsdruckpapierimport aufgehoben und
Argentinien hat seinen Zeitungsdruckpapierzoll ermäßigt. Doch fällt
sehr in die Waagschale, daß Kanada und Großbritannien in dem aufnahmefähigen
 Absatzgebiet des englischen Imperiums Vorzugszölle genießen
 und außerdem Italien — in der Nachkriegszeit einer der wichtigsten
 Zeitungspapierabsatzmärkte Deutschlands —, zu einem Zollschutz
 von 8 Goldlire (rd. 35%, ad valorem) übergegangen ist.
Im Jahre 1929 erreichte der deutsche Zeitungspapierexport nach fort-Jaufendem
 Ansteigen seit 1925 fast das Viereinhalbfache der Vorkriegsmenge
 und im Verhältnis zur Produktion einen Mengenanteil von fast
drei Zehnteln, gegenüber einer wie in der Vorkriegszeit kaum nennenswerten
 Einfuhr.
Die Zeitungspapierausfuhr Kanadas, deg bei weitem größten
Exportlandes, wird zu über 90 % von den Vereinigten Staaten aufgenommen.
 Die Vereinigten Staaten sind trotz ihrer großen und gegenüber
 der Vorkriegszeit gesteigerten Eigenproduktion der bei weitem
größte Zeitungspapierabsatzmarkt der Welt geworden; ihre Vorkriegseinfuhr,
 die 1913 nur von Großbritannien übertroffen wurde, ist auf
mehr als das Zwölffache gestiegen. Noch stärker aber als dieses
gigantische Anwachsen der Nachfrage war die Expansion der kanadischen
 Industrie. Im Jahre 1928 erreichte sie über ein Drittel der Produktionskapazität
 der Welt. Nordamerika ist damit zu einem Überschußgebiet
 der Zeitungspapiererzeugung geworden. Auf der anderen
Seite aber hat auch die Produktion der nordeuropäischen Exporteure
 die Absatzmöglichkeit auf ihren Märkten überstiegen. Mit ihrer
fortlaufend erhöhten Produktion hielt der auch in Westeuropa und
Übersee stark gestiegene Bedarf nicht Schritt, zumal er in zunehmendem
Maße durch Eigenerzeugung dieser Gebiete befriedigt wird. Die Folge
ist. ein erbitterter Konkurrenzkampf und ein scharfer Rückgang der
Weltmarktpreise.
Am stärketen zeigt sich die preismäßige Auswirkung des Konkurrenzkampfes
 unter den nordeuropäischen Exporteuren. Im Jahre
1927 mußte Schweden, gezwungen durch die starke Konkurrenz Norwegens,
 den Preis für Zeitungspapier senken, obwohl es bereits in den
ersten vier Monaten etwa drei Viertel seiner Jahresproduktion vorverkauft
 hatte. Die Exportpreisnotierung für Zeitungsdruckpapier in Oslo
zeigte für 1927 einen fortlaufenden Rückgang von 12.17.6 £ auf 11.15.0 £
bei einem gleichzeitigen Rückgang des £-Kurses von 19.10 auf 18.34. Die
kanadische Zeitungspapierindustrie versuchte, dem Preisrückgang durch
die Schaffung eines Verkaufskartells entgegenzutreten. Dieses sollte den
Preis auf 65 $ ie 908 kg job Werk!) halten. Dieser Preis wurde iedoch

1) Dies würde einem Preise von 30,18 RM je t 55 g schweren Zulumgsirechepapiers
 und einem Preise von 83,14 RM je t 50 g schweren Zeitungsdruckpapiers
antspyrachen.

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