fabriken möglich wäre, nennenswerte Mengen dorthin abzusetzen. Die
Schweiz hat schon seit jeher durch verhältnismäßig sehr hohe Zölle
für das gesamte Papiergebiet ihrer Papier- und Pappenindustrie ein
ungestörtes Eigenleben gesichert und darüber hinaus, wenn auch in
mäßigem Umfange, den Export gepflegt. Sie ist sogar in der Lage,
feine Pappe nach Deutschland zu liefern und in der allerdings geringen
deutschen Einfuhr feiner Pappe die erste Stelle einzunehmen.
Auch nach Österreich kann die deutsche Pappenindustrie wie
nach Italien in der Hauptsache nur feine Pappen absetzen. Mit groben
Pappen dringen die österreichischen Fabriken, die den deutschen in
ihrer Leistungsfähigkeit nicht nachstehen, deren Gesamtunkosten aber
infolge günstigerer Wasserkraftversorgung, niedrigerer Holzpreise und
gedrückter Löhne geringer sind, selbst bis auf den deutschen Markt
vor. Früher stand der Pappenindustrie der alten österreichisch-ungarischen
 Monarchie, die sich zu 80 % in dem heutigen Österreich, und
zwar hauptsächlich in Ober- und Niederösterreich und der Steiermark
befand, als großes Absatzgebiet ganz Österreich-Ungarn zur Verfügung.
Daneben exportierte Österreich in größerem Umfange nach Italien und
über Triest nach dem Balkan. Seine Einfuhr nach Deutschland war
darum nicht so drückend und beschränkte sich auf die Erzeugung der
Fabriken, die durch ihre Lage im Salzkammergut und in Ober-Österreich
 mit ihren Erzeugnissen leicht nach Deutschland kommen konnten.
Die Auflösung der Öösterreichisch-ungarischen Monarchie hat dazu
geführt, daß die Nachfolgestaaten mit Ausnahme von Österreich selbst
sehr hohe Pappenzölle einführten. Ihre eigenen Pappenindustrien
beherrschen den Inlandsabsatz, . und eine Ausfuhr Österreichs nach
der Tschechoslowakei, nach Ungarn und Jugoslawien ist so gut wie
unmöglich gemacht. Die österreichische Pappenindustrie, für die als
Inlandmarkt eigentlich nur mehr Wien in Frage kommt, muß deshalb
durch gesteigerten Export den in den nunmehrigen Nachfolgestaaten
erlittenen Absatzverlust wettmachen.
Ebenso wie für die österreichische ist auch für die deutsche Pappenindustrie
 eine größere Ausfuhr nach der Tschechoslowakei,
dem aufnahmefähigsten Absatzmarkt unter den österreichischen Nachfolgestaaten,
 unmöglich. Der tschechische Zoll, der auf gewöhnliche
Pappe 7,20 RM je 100 kg (rd. 27%: ad valorem) beträgt, schützt
die tschechische Pappenindustrie vor jeder Konkurrenz und ermöglicht
ihr auf Grund der guten Inlandpreise, sich auch noch mit billigen
Preisen am Export zu beteiligen. Soweit Jugoslawien und
Ungarn aufnahmefähig sind, kommen sie ebenfalls für den deutschen
Pappenabsatz weniger in Frage, weil sie von den österreichischen
Pappenfabriken leichter zu erreichen sind.
Ein besonders schwerer Absatzverlust ist der deutschen Pappenindustrie
 durch die veränderte Grenzziehung im Osten und die polni-3che
 Schutzzollpolitik entstanden. Die polnischen Zollsätze betragen
zum Teil das Doppelte der deutschen Sätze. Besonders die schlesische
Pappenindustrie, die in der Vorkriegszeit erhebliche Mengen in das

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