Das Erkennen und sein Gegenstand, zusetzen und auszuprägen gilt, so ist damit die frühere Grundlage für die Gewissheit unserer Vorstellungen hinfällig geworden. Wir können sie nicht mehr unmittelbar mit ihren äusseren dinglichen „Originalen“ vergleichen, sondern müssen in ihnen selbst das Merkmal und die immanente Regel entdecken, die ihnen Halt und Notwendigkeit gibt. Bestand der erste Schritt darin, die scheinbare Sicherheit und Festigkeit der Wahrnehmungsobjekte aufzuheben und die Wahrheit und Beständigkeit des Seins in einem System wissenschaftlicher Begriffe zu gründen, so muss nunmehr erkannt werden, dass uns auch in diesen Begriffen kein letzter unangreifbarer und fragloser Besitz gegeben ist. Erst in dieser Einsicht vollendet sich die philosophische Selbstbesinnung des Geistes. Wenn es der Wissenschaft genug ist, die vielgestaltige Welt der Farben und Töne in die Welt.der Atome und Atombewegungen aufzulösen und ihr damit in letzten konstanten Einheiten und Gesetzen Gewissheit und Dauer zu verleihen, so entsteht das eigentlich philosophische Problem erst dort, wo diese Urelemente des Seins selbst als gedankliche Schöpfungen verstanden und gedeutet werden. Aber freilich: dem Bereich grenzenloser Relativität, dem wir noch eben entronnen zu sein meinten, scheinen wir jetzt von neuem und für immer überantwortet. Die Wirklichkeit der Objekte hat sich uns in eine Welt des Bewusstseins aufgelöst; an Stelle der dinglichen Welt ist eine geistige Welt reiner Begriffe und „Hypothesen“ erstanden. Im Gebiet des Geistigen aber gibt es keinen Bestand und kein „Dasein“, das der „Existenz“ der Naturabjekte vergleichbar wäre. Alle Wirklichkeit eines Inhalts besteht hier in dem Prozess, in dem er entdeckt und hervorgebracht wird; alles Sein begreifen wir erst aus dem Verlauf und dem Gesetze seines Entstehens. So fordert das eigene Wesen jener togischen Grundbegriffe, die die Wissenschaft aus sich heraus entwickelt, dass wir sie nicht als gesonderte und von einander losgelöste Gestaltungen betrachten, sondern sie in ihrer geschichtlichen Abfolge und Abhängigkeit erfassen. Damit aber droht uns jeder feste systematische Haltpunkt zu entschwinden. Die gedanklichen Einheiten, vermittels deren wir das Gewirr der Erscheinungen zu gliedern suchen, halten selbst nirgends stand; in buntem Wechselspiel verdrängen sie sich und lösen unablässig einander