Das System der Grundbegriffe und seine Wandlungen, uns dieser Konsequenz nicht verschliessen, sondern müssen sie aufnehmen und weiterführen. In der Tat wäre es ungenügend, wenn man ihr etwa mit dem Hinweis begegnen wollte, dass die vorangehenden Leistungen des Denkens und der Forschung in den folgenden als notwendige Momente enthalten und „aufgehoben“ seien. In so einfacher und geradliniger Folge, wie diese Konstruk- tion es voraussetzt und verlangt, gehen die verschiedenen Begriffs- systeme nicht auseinander hervor. Nicht derart vollzieht sich der empirische Gang der Erkenntnis, dass die einzelnen Momente nur gleichsam äusserlich aneinander herantreten, um sich mehr und mehr zu einer einheitlichen Totalansicht zu ergänzen. Nicht in solchem stetigen quantitativen Wachstum, sondern im schärfsten dialektischen Widerspruch treten die mannigfachen Grundanschau- ungen einander gegenüber. Das vorangehende logische System muss vernichtet werden, um einem neuen, das auf völlig anderem Fundamente ruht, Platz zn machen. So sehen wir, dass ein Be- griff, der der einen Epoche als in sich widerspruchsvoll erscheint, der folgenden zum Instrument und zur notwendigen Bedingung aller Erkenntnis wird; so folgt selbst in der empirischen Wissen- schaft auf eine Periode, in der alle Erscheinungen auf ein ein- ziges Grundprinzip zurückgeführt und aus ihm „erklärt“ werden, eine andere, in der dieses Prinzip selbst als „absurd“ und unaus- denkbar verworfen wird. Der Eleatische Begriff des Nicht-Seins in der antiken, die Begriffe des leeren Raumes und der Fernkraft in der modernen Spekulation sind bekannte und lehrreiche Bei- spiele eines derartigen Prozesses. Und man begreift gegenüber solchen Wendungen die skeptische Frage, ob nicht aller Fort- schritt der. Wissenschaft nur die Resultate, nicht aber die Vor- aussetzungen und Grundlagen betrifft, die vielmehr gleich un- beweisbar und gleich unvermittelt einander ablösen. Oder sollte as dennoch möglich sein, in dieser ständigen Umwandlung, wenn nicht bleibende und unverrückbare Inhalte, so doch ein einheit- liches Ziel zu entdecken, dem die gedankliche Entwicklung zu- strebt? Gibt es in diesem Werden zwar keine beharrlichen Ele- mente des Wissens, aber doch ein universelles Gesetz, das der Veränderung ihren Sinn und ihre Richtung vorschreibt? Wir haben an dieser Stelle noch keine endgiltige Antwort auf diese Fragen. Wie die Geschichte das Problem gestellt hat, so