Platons Grundlegung der Erkenntnis. 25 gungen ins Auge fasse und überhaupt „weit weniger nach der Art, wie die Anschauungen und Begriffe in uns entstehen, als nach der Geltung, die ihnen an sich zukommt“, frage, so zeigen diese Sätze, die eine Sonderstellung Platons und der Antike beweisen sollen, mittelbar den genauen Zusammenhang mit den Grundtendenzen der objektiven Erkenntniskritik. Auch das weitere Kriterium der Unterscheidung, das aus der metaphysischen Bedeutung der Ideenlehre entnommen wird, reicht hier nicht aus. Denn geben wir selbst einmal zu, dass die Auffassung Zellers unangreifbar wäre, und dass somit die Ideen wirklich von Platon zu metaphysischen Substanzen hypostasiert worden wären, so bleibt doch das Faktum zweifellos und unerschütterlich bestehen, dass Platon von der Begriffsbestimmung des Wissens seinen AuSsgangspunkt genommen. Nicht die nachträgliche Deutung, die er etwa später der Ideenlehre gegeben hat, sondern ihr Grund und ihr logischer Ursprung ist hier das Entscheidende. Sobald die schlichte Frage: zi sotı emot%1n einmal erwacht und in ihrer Bedeutung erkannt ist, ist damit — wie immer auch der Fortgang sich im Einzelnen gestalten mag — jenes „kritische Verhalten zu unseren Vorstellungen“ gegeben, das Zeller der antiken Wissenschaft abspricht. . — Nur die eingehendste Zergliederung der einzelnen geschichtlichen Erscheinungen vermöchte die Bedeutung, die dem Erkenntnisproblem, wenn nicht der Erkenntnistheorie, im Ganzen der griechischen Spekulation zukommt, ans Licht zu stellen. Hier müssen wir uns damit begnügen, einige typische Hauptphasen der Gesamtentwickelung, die sich für die neuere Zeit besonders fruchtbar und wichtig erwiesen haben, herauszugreifen. Sehen wir von der Jonischen Naturphilosophie ab, in der die Betrachtung in der Tat noch völlig im Objekt und der Entdeckung seiner wesentlichen Beschaffenheit gebunden bleibt, so zeigt uns alsbald die Pythagoräische Lehre, wie mit den ersten Anfängen der exakten Wissenschaft zugleich ein tieferes reflexives Selbstbewusstsein erwacht. Ein antiker Zeuge, dem wir in diesen Fragen folgen dürfen, belehrt uns über diesen Zusammenhang. In seinem Kommentar zum Euklid führt Proklus den Ursprung der Geometrie auf Pythagoras zurück, weil dieser, während die Früheren den allgemeinen Lehrsatz häufig nur an einzelnen sinn-