Die Pythagoräer 27 scheidet (owjLathv xal oylKwv T0bG Adfouc Ympic EXdSTOLG TÖVY TPA{PLATOV tüv te dreipmv xal tepaıvivtwv).“ So ist es die Zahl, die auf der einen Seite das Chaos der Seele lichtet und klärt und die verschwim- mende Vielheit der Wahrnehmungen nach Mass und Gesetz ab- grenzt, und die andererseits den Objekten der Erkenntnis ihre feste Gestaltung und Fügung gibt. Weil ihrem Begriffe aller Trug fremd ist, weil sie das erkennende Bewusstsein nicht zu täuschen vermag, darum darf sie uns allein die Bürgschaft des echten un- veränderlichen Seins heissen. „Nichts von Lüge nimmt die Natur der Zahl, der die Harmonie eignet, an. Denn diese ist ihrer Natur nicht eigen, vielmehr ist die Wahrheit dem Geschlechte der Zahl ursprünglich verwandt und eingeboren.“ % So wird der Inhalt der Wirklichkeit hier freilich dogmatisch bestimmt: aber es ist ein Dogmatismus, der keine anderen Interessen und keine anderen Forderungen über sich anerkennt, als den Maassstab der Erkennt- nis. Es ist der reine, wissenschaftliche Begriff, der sich hier zum erstenmale absolut setzt. Wenn hierbei Begriff und Sein, wenn die intellektuellen Prinzipien und die Sinnendinge noch unter- schiedslos in einander aufgehen, so hat sich selbst diese Schranke der Pythagoräischen Denkweise — so paradox dies erscheint — als eine schöpferische geschichtliche Macht bewährt. Wären die Pythagoräer bei dem eigentlichen Gehalt ihrer Entdeckung stehen geblieben, so wäre ihnen damit das Gesamtgebiet der reinen Ma- thematik gewonnen gewesen: aber erst indem sie hierüber hin- ausgehen und Stoffliches und Gedankliches unmittelbar in Eins setzen, werden sie damit zugleich zu den Begründern der empi- rischen Forschung. Man sollte niemals vergessen, dass die ersten Anfänge der wissenschaftlichen Astronomie, wie der exakten Phy- sik einer derartig kühnen, gedanklichen Anticipation ihren Ur- sprung verdanken. Den Reiz und die fortwirkende Kraft dieser Denkweise kann man sich noch unmittelbar an der Schwelle der neueren Zeit in Kepler von neuem zur Anschauung bringen. — Mit diesem Ausgangspunkt der griechischen Spekulation aber ist bereits ihrem ganzen weiteren Verlauf ein eigentümlicher und unveränderlicher Charakter aufgedrückt. Wir müssen die grie- chische Philosophie mit anderen Entwicklungsreihen vergleichen, wir müssen sie etwa der Geschichte des indischen Denkens segenüberstellen, um uns dieser ihrer auszeichnenden Besonder-