Der Begriff des Gesetzes. — Heraklit, 29 Geschehen und allen Gedanken der Einzelnen waltet, zu entdecken und zur Aussprache zu bringen: &v z% 00@0v ETIotacdar 7VO{LNV, ÖTEN Sxußepunse zdvta dıd zavtüv.!) Aber in dieser pantheistischen Wen- dung ist der Gehalt der Herakliteischen Grundanschauung nicht er- schöpft. Auch die Religionen dringen in ihrer höchsten spekula- tiven Entwicklung bis zu dem Begriff eines obersten Weltgesetzes vor, das in seinem strengen und unverbrüchlichen Walten über alle menschliche und göttliche Willkür erhaben ist. Die Veden drücken diese Anschauung in einem Begriff aus, der zunächst den Lauf und die geordnete Bahn der Gestirne bezeichnet, bis er in immer abstrakterer Durchbildung zu dem allgemeinen Gedanken einer durchgehenden Ordnung des Alls sich erhebt. Das Wort Rita, das für diesen Gedanken gebraucht wird, ist — nach Max Müller - mit den Stammworten, aus denen die Worte „ordo“ und „ratio“ hervorgegangen sind, etymologisch nahe verwandt.) Je mehr man sich indes alle diese Analogien vergegenwärtigt, um so klarer tritt das unterscheidende Moment des griechischen Den- kens hervor. Der Gedanke des Gesetzes zeigt in der Gestaltung und Prägung, die er durch Heraklit erhält, deutlich die Einwir- kung des neuen mathematischen Wissensideals. Mit vollem Rechte hat man in ihm die Konsequenz und Fortbildung Pytha- goräischer Grundansichten gesehen.) „Diesen Kosmos hier, der derselbige für alle Wesen ist, hat nicht einer der Götter oder Men- schen geschaffen, sondern er war immerdar und wird sein: ein ewig lebendiges Feuer: nach Maassen sich entzündend und nach Maassen verlöschend“ (fr. 30). In diesem Begriffe des Maasses spricht sich ein Grundmoment der griechischen Kultur aus, das von der Wissenschaft aus alle ihre Teile gleichmässig durchdringt und beherrscht. — Auch in der Eleatischen Lehre lassen sich die allgemeinen Motive, durch die sie mit der Gesamtbewegung des metaphysi- schen Denkens zusammenhängt, deutlich genug erkennen. Die Art, in der die Alleinheitslehre bei Xenophanes aus religiösen Antrieben entspringt und sich durchsetzt, hat wiederum in der indischen Philosophie ihr genaues Gegenbild.®) Es wäre indes unfruchtbar, bei diesen Analogien verweilen zu wollen, da stär- ker als sie alle das trennende Moment sich aufdrängt. Das Pro- hlem des „Logischen“ kommt zum erstenmal zu gesonderter be-