32 Einleitung. sei — so ergab sich ihm hieraus, dass für den Bestand der Wissenschaft der Erscheinungen dieses Nicht-Sein nicht minder notwendig und nicht minder unentbehrlich sei, wie jenes angeblich ausschliessliche „Sein“.1”) So ist es eben die Zergliederung des {nhalts und der Aufgabe der Erfahrungswissenschaft, so ist es die begriffliche Kraft dieser Analyse, die uns nötigt, dem Sinnenschein entgegen das Leere zu setzen und zuzulassen. Was in dieser Analyse als nicht weiter zerlegbares, ursprüngliches Grundmoment beharrt, das hat damit sein Recht erwiesen, gleichviel ob es sich in einer gegenständlichen Anschauung beglaubigen und vor das Bewusstsein hinstellen lässt, oder nicht. Mi 14.4\hov tö dev A To inöev: das „Ichts“ hat keinen festeren Halt und keinen tiefer gegründeten Anspruch als das Nichts.!®) Das war die innere Zweideutigkeit in dem Parmenideischen Satze der Identität von Denken und Sein, dass er auf der einen Seite zwar den Gedanken als obersten,unabhängigen Maasstab proklamierte, auf der andern indes nur solche Begriffsinhalte anerkannte, die in einem „Sein“, in einem substantiellen Einzelinhalt, ihre Darstellung und ihre Ausprägung besassen. Nunmehr verkehrte sich das Verhältnis in sein Gegenteil: das Sein ward als der Abschluss und als der notwendige Halt des Denkens, das sonst ohne feste Bindung bliebe, gefordert. „Denn nicht ohne das Seiende, in dem es sich ausgesprochen findet, kannst Du das Denken treffen, da es ja Nichts ausserhalb des Seienden gibt, noch geben wird.“1%) Dieses unlösliche Haften der reinen „Aussage“ an dem Dasein, auf das sie sich bezieht, bildet sbensowohl ihre Bestimmung, wie ihre Schranke. Wahrheit denken wir nunmehr nur insoweit, als wir — Dingliches denken. Indem Demokrit die inneren Mängel dieses Wahrheits - begriffs kritisch aufdeckt, begründet er darin zugleich die sachliche Notwendigkeit der Atome und des Leeren, als der beiden Grundgestaltungen, aus denen die empirische Wirklichkeit sich aufbaut. Es ist vergeblich, wenn empiristisch gesinnte Geschichtschreiber sich bemühen, diesen inneren logischen Zusammenhang, der zwischen der Atomistik und der Eleatischen Lehre besteht, zu lockern, weil es ihnen anstössig ist, dass ein System, das völlig auf das „reine Denken“ gestellt ist, der Ausgangspunkt einer Lehre geworden sein soll, die das eigentliche Fundament der exakten Erfahrungswissenschaft bildet.?) Nicht dureh ein Nach-