Die Atomistik und ihre begrifflichen Grundlagen, 38 lassen, sondern durch eine Verschärfung der strengen Begriffsforde- rungen der Eleaten, durch ihre genauere Durchführung und ihre konsequentere Anwendung auf die Erscheinungen ist die Lehre Demokrits entstanden. Nicht die unmittelbare Welt der Sinne ist es, die er wiederherzustellen unternimmt — sie wird schärfer als je zuvor als ein Produkt der unebenbürtigen Erkenntnis, der oxotin {von gekennzeichnet —: was Er erkennt und in festen logischen Umrissen zeichnet, ist der allgemeine Begriff der Erfahrung und des empirischen Seins. Um ihn zu sichern, dazu bedarf es nicht minder als des Denkens der Substanz, bei dem die Eleatische Lehre verharrte, des Denkens der Relation. Bei Parmenides hatte sich der ursprünglichen Begriffskonzeption zuletzt dennoch eine unmittel- bare Anschauung des Seins untergeschoben, und diese musste, da es nur Ein Sein geben konnte und durfte, .das empirische Bild des Werdens verdrängen und aufheben. Indem die Atomistik nicht länger versucht, sich ihre Begriffe in diesem konkreten Sinne vor- stellig zu machen, indem sie sie als ein p78ev, als eine blosse Form der Beziehung denkt, gewinnt sie gerade in diesem Verzicht den echten Grundgehalt des phaenomenalen Seins zurück. Das Wirk- liche erfüllt sich ihr von neuem mit Mannigfaltigkeit und Bewe- gung, weil sich der Gedanke von der Bindung an ein starres, ab- solutes Sein befreit hat. Der Mangel, den die Eleatische Kritik an der Pythagoräischen Lehre aufgewiesen hatte, ist erst jetzt wahrhaft und positiv behoben: nicht nur für die Elemente des Seins, sondern auch für die Relationen und Verknüpfungen, die sie eingehen, ist ein rein gedankliches Schema und Vorbild ge- schaffen. Was der blossen mathematischen Zahl versagt blieb, die Vielheit der Erscheinungen zum exakten Verständnis zu brin- gen, das leisten die Begriffe des Atoms und des leeren Raumes. — So bietet uns das gesamte Denken der Vorsokratiker, wenn wir es nur in seinen logischen Höhepunkten verfolgen, überall das Schauspiel einer in sich notwendigen und beständig aufstei- genden Entwickelung dar. Immer mehr tritt das naive Bild der Wirklichkeit zurück, um rein gedanklichen und rationalen Ent- würfen, die sich stetig einander ergänzen, Platz zu machen. Die mythische Phantasie, die zuvor die Ursprünge des Seins und Werdens zu enträtseln unternahm, ist seit den Tagen der jo- nischen Naturphilosophie Schritt für Schritt der konstruktiven