Die Ideenlehre und das Problem der Erfahrung. 41 rung verdecken und ihre Lücken ausfüllen soll. Er weigert sich, an die Einzeldinge heranzugehen, bevor sein Blick für sie durch die Begriffe, durch die A0yoı, geschärft und vollständig gerüstet ist. Und diese durchgängige systematische Fundierung einer Wissenschaft des Veränderlichen ist es, die er zuletzt vermisst und die er bei dem Stande der zeitgenössischen Forschung vermissen musste. Es ist für immer denkwürdig, wie er in dem systematischen Aufbau der Erkenntnis, den die Republik vollzieht, ganze Gebiete von Wissenschaften, die ihm historisch noch nicht gegeben waren, aus der Strenge und Stetigkeit des prinzipiellen Grundgedankens heraus, erst eigentlich entdeckt, wie er z. B. zwischen die Geometrie und Astronomie die Stereometrie als notwendiges Mittelglied einschiebt. Im gleichen Sinne hat er auch die Notwendigkeit einer abstrakten Bewegungslehre durchschaut und ausgesprochen. Wenn er sich der Betrachtung der Gestirne überlässt, wenn er sich dem ästhetischen Zauber dieses „bunten Schmuckes am Himmel“ hingibt, so geschieht es mit dem bewussten Ziele, dass sie ihm Beispiele und Belege für diese gedankliche Forderung, die er im Sinn trägt, darbieten sollen. Um sich der Probleme zu bedienen, die sie darbietet, will er an die Astronomie herangehen —: „was aber am Himmel ist, das wollen wir lassen, wenn es uns anders darum zu tun ist, wahrhaft der Sternkunde uns befleissigend, das von Natur Vernünftige in unserer Seele aus Unbrauchbarem brauchbar zu machen“.?) Die Configurationen des Himmels und ihre Wandlungen sollen wir zwar für das Beste und Vollkommenste an innerer Harmonie und Regelmässigkeit halten, was sich im Gebiet des Sichtbaren und Körperlichen aufweisen lässt: zugleich aber sollen sie uns nur als Andeutungen und als Unterlage für die Betrachtung völlig exakter und gleichförmiger Bewegungen dienen, die „die wahrhafte Geschwindigkeit und die wahrhafte Langsamkeit gemäss der wahren Zahl und den wahrhaften Figuren ausführen“: Hier liegt nicht nur der Gedanke zu Grunde, dass wir die verworrenen und vielverschlungenen Bahnen, die die Gestirne nach dem unmittelbaren Augenschein zu beschreiben scheinen, kraft der mathematischen Hypothese auf einfache geometrische Gestalten zurückführen müssen: es ist zugleich gefordert, dass wir das Gebiet des Konkreten überhaupt verlassen. um nicht mehr die Geschwindig-