Einleitung keiten empirischer Körper, sondern rein gedachter „materieller Punkte“ nach ihrem wechselseitigen Verhältnis zu erwägen. Die Kreise am Himmel sollen uns nur zum „Schwungbrett“ dienen, um uns zur Anschauung dieser ideellen Bewegungen, die nur für den Verstand, nicht aber für das Gesicht erfassbar sind, zu erheben. (Aoy j@Ev xai dıavolm Anttd, öde Tod.) So besagt die ge- samte schwierige Erörterung im Grunde nichts anderes, als dass lie kosmischen Erscheinungen für uns nicht insofern zur Trieb- kraft und zum Ansporn der Erkenntnis dienen sollen, als sie uns dazu anregen sollen, ihre empirische Abfolge und Wiederkehr zu beobachten und beschreibend festzuhalten, sondern dass sie die bedeutungsvollere Funktion haben, den Gedanken eines neuen Zweiges der mathematischen Analysis in uns wachzurufen. In diesem Sinne sollen wir sie als „Paradigmata“ der reinen Er- kenntnis verstehen und brauchen lernen. Dass Platon damit den Gehalt der empirischen Himmelskunde nicht ausschöpft, ist freilich klar; — aber es zeigt sich zugleich, dass er ihr aur deshalb nicht gerecht wird, weil die Astronomie seiner Zeit, die er vor Augen hat, dem strengen Ideal des Wissens, das ar ihr vorhält und das ihre moderne Entwicklung bestätigt und bewährt hat, nicht gewachsen ist. Man muss sich gegenwärtig halten, dass Platon echte Beispiele exakter empirischer For- schung nur in den bedeutungsvollen, aber wenig umfangreichen Beobachtungen und Versuchen der Pythagoräer vor sich hatte. Für das System der „Erfahrung“, das hiermit gegeben war, hat er denn auch in der Tat die echte spekulative Grundlegung and philosophische Rechtfertigung geschaffen. „Wissenschaft“ bedeutet ihm — nach der Definition, die der Philebus begründet and ausführt — die gedankliche Begrenzung des an sich grenzen- losen und unbestimmten Stoffes der Wahrnehmung durch die Funktion und Vermittlung der Zahl. Wir müssen im Gange ınserer Untersuchung vor allem eine Einheit setzen und an- aehmen, sodann aber, wenn wir uns ihrer einmal bemächtigt haben, uns die Frage stellen, ob sie sich nicht wiederum in eine Mehrheit spaltet: „bis man von dem ursprünglichen Einen nicht nur, dass es Eins und Vieles und Unendliches ist, sieht, sondern auch wievieles.“ Die Bezeichnung einer Menge als eine „unbe- stimmte Vielheit“ (dxepov) dürfen wir somit nicht eher auf sie an-