A Einleitung. denkende Tätigkeit bedeutet nur eine Aufnahme und eine Wiedergabe von Bestimmungen, die an und für sich in ursprünglicherer Weise in der Welt der Wirklichkeit vorhanden sind. Gestalt und Bewegung, Farbe und Ton, die räumliche Ordnung des Beisammen, wie die zeitliche des Nacheinander: all dies sind feste und fertige Eigentümlichkeiten der Objekte selbst; die Aufgabe besteht lediglich darin, den Weg zu weisen, auf dem die Verwandlung dieser dinglichen Beschaffenheiten in geistige vor sich geht. Ein Problem, das freilich zunächst unlösbar scheint; denn von der Materie zum Denken, von der absoluten Existenz zum Bewusstsein gibt es keinen begrifflichen Uebergang. Gerade an diesem Punkte tritt nunmehr eine metaphysische Grundunterscheidung, die das Gesamtsystem beherrscht, die Entgegensetzung von Potenz und Akt, von neuem in Kraft. Wie die fertigen Gegenstände in den Geist hinübergeschaftt worden, das begreifen wir, indem wir erwägen, dass es nicht ihre volle Wirklichkeit, sondern lediglich ihre „Form“ ist, die die Seele in sich aufnimmt. Die Dinge selbst vereinen in sich, sofern sie aus Materie und Porm zusammengesetzt sind, einen stofflichen und einen intelliziblen Faktor: dem Denken bleibt keine andere Leistung und keine andere Schwierigkeit, als diese Zusammensetzung aufzulösen und den einen Bestandteil aus ihr rein zurückzugewinnen. „Dies muss also von jeder Sinneswahrnehmung gesagt werden, dass sie die sinnlichen Formen (5%) ohne den Stoff aufnimmt, wie das Wachs das Zeichen des Siegelringes ohne das Gold oder Eisen in sich aufnimmt. Denn es empfängt es als goldenes oader eisernes Zeichen, nicht aber sofern es Gold oder Eisen ist. Auf ähnliche Weise leidet auch die Wahrnehmung durch den Eindruck alles dessen, was Farbe oder Ton oder Geschmack besitzt, aber sie erfasst all dies nicht in seiner konkreten unmittelbaren Beschaffenheit, sondern sofern es eine bestimmte, allgemeine Gestalt in sich verkörpert (dhN 00y Y EXa0ToV Exeivmy AeyetaL, diN zorovdi Kal xatd töv Adyov)%. Somit sind es, wie die Scholastik diesen Aristotelischen Gedanken ausspricht, nicht die Dinge, sondern ihre stofflosen „Species“, die in das Denken aufgenommen werden. Das Erkannte ist im Erkennenden nach der Art und der Weise des Erkennenden: cognitum est in cognoscente secundum modum cognoscentis, „Durch die species“ —. so schildert ein