30 Einleitung . {ragen bekundet hat. Aber nirgends wird die Frage hier als eine ursprüngliche empfunden und ergriften: sondern sie ist stets be- dingt und getragen durch das Ganze der mittelalterlichen Lebens- ansicht, die im Voraus als unangreifbares Fundament feststeht. Hierin allein aber liegt bereits, selbst wenn der geschichtliche Zusammenhang zwischen Scholastik und neuerer Zeit noch so eng angenommen wird, die charakteristische sachliche Grenzscheide. Wo das Erkenntnisproblem nicht an den Anfang der Betrachtung tritt, da ist ihm seine wahrhafte Kraft bereits geraubt. Es ist die entscheidende Leistung der modernen Philosophie, dass sie die Erkenntnis nicht mehr als eine Einzelfrage betrachtet, die sich nebenher aus anderen systematischen Voraussetzungen her be- handeln und lösen liesse, sondern sie als die schöpferische Grund- kraft im Aufbau der intellektuellen und sittlichen Gesamtkultur begreifen lernt.