„Complicatio“ und „explicatio“ 69 reinen intellektuellen „Einheiten‘“ werden nicht unmittelbar dem sinnlich Mannigfaltigen selbst, sondern dem Begriff, auf den sich jene Mannigfaltigkeiten reduzieren, verglichen und gegen- übergestellt. Die Sinnendinge werden nicht an sich selbst, in ihrer konkreten Einzelheit, zum Gegenstand der Betrachtung ge- macht, sondern sie werden zusammengefasst und vertreten durch die Kategorie der Quantität, ohne die sie für den Begriff nicht fassbar sind: magnitudine et multitudine sublata nulla res cog- noscitur.43) Vergegenwärtigen wir uns von diesem Punkte aus noch ein- ınal den Gang der Gesamtuntersuchung, so: drängt sich eine all- gemeine Bemerkung auf. Der Begriffsgegensatz des „einfachen“ Seins und seiner „Entfaltung“, der complicatio und explicatio war geschaffen, um das Verhältnis und den Widerstreit zwischen Gott und Welt zum Ausdruck zu bringen. In dieser metaphysi- schen Aufgabe wurzelt sein Ursprung und seine prinzipielle Be- deutung. Im Fortgang der Untersuchung aber sehen wir, wie die- ser anfängliche Sinn sich stetig weitet, wie immer neue Problem- gruppen ergriffen und der systematischen Grundunterscheidung unterworfen werden. Nacheinander werden nunmehr das Ver- hältnis Gottes zum menschlichen Geiste, wie die Beziehung, die innerhalb des Geistes zwischen seinen Grundprinzipien und dem entwickelten Gehalt seiner Begriffe besteht, unter dem gegensätz- lichen Gesichtspunkt des „Einen“ und „Vielen“ betrachtet. Die Grösse selbst, die ein immanenter Grundinhalt unseres Denkens ist, gibt dieser doppelten Betrachtung und Beurteilung Raum. So gelangt ein Gedanke, der dazu bestimmt schien, die endgültige Trennung des Diesseits und Jenseits, des konkreten und abso- luten Seins zu bezeichnen, innerhalb des endlichen Seins selbst zur Bestimmung und zu fruchtbarer Anwendung. Die gegenseitige Abgrenzung der verschiedenen Erkenntniskräfte zeigt den glei- chen charakteristischen Zug. Die Vernunft (ratio), die auf das Gebiet der konkreten Erscheinungen geht, um es zu ordnen und zu begreifen, untersteht dem Prinzip des ausgeschlossenen Dritten, nach welchem sie von zwei widerstreitenden Bestimmungen im- mer nur die eine zu bejahen vermag; sie unterscheidet sich eben damit streng und grundsätzlich vom „Intellekt“, der die absolute Einheit und in ihr die Coincidenz der Gegensätze erschaut. Die