Der. Begriff des. Logos. 75 gend ist: aber es enthüllt sich in ihr ein charakteristisches Motiv der inneren Entwicklungsgeschichte des Systems. Cusanus glaubt die Existenz Gottes erwiesen zu haben und hat doch nur den Begriff der Wahrheit erhärtet; er glaubt eine unerschütterliche absolute Existenz gegründet zu haben und hat in Wirklichkeit bewiesen, dass jede Frage der Erkenntnis eine innere Gewissheit in sich birgt. Seine Problemstellung wurzelt im Mittelalter: sein Ergebnis aber führt ihn bis unmittelbar an die Schwelle der neuen, der Cartesischen Philosophie. An die griechische Philosophie, an ihre Entwicklung des Gegensatzes des „Einen und Vielen“ knüpft Cusanus an. Den Ge- halt der antiken Spekulation über dieses Problem hat Platon im Philebus in klassischer Weise zusammengefasst und gedeutet. Das ist ihm die Grundfrage, ob man solche Einheiten, wie den Men- schen selbst, das Rind selbst, das Schöne selbst, das Gute selbst als wahrhaft seiend anzunehmen hat: sodann aber, wie es mög- lich ist, dass sie, während sie doch stets mit sich selbst identisch bleiben und weder Entstehen noch Vergehen zulassen, sich den- noch in das Werdende und Unendliche auflösen und gleichsam zerteilen, „Denn das ist doch wohl das Unmöglichste, dass. sie, als ein und dasselbe, zugleich in dem Einen und in dem Vielen sind. Diese Einheit und Vielheit, nicht jene in den Sinnendingen, ist es, die zum Grund aller Schwierigkeiten wird, wenn man sie nicht zutreffend erklärt, dagegen zur Lösung jedes Zweifels, wenn sie richtig bestimmt wird“. Das Auseinandergehen in den Ge- gensatz und die Rückkehr zur Einheit also ist kein willkürlich aufgegriffenes Problem, sondern es stellt sich in ihm die grund- legende Eigentümlichkeit des logischen Prozesses selbst dar: „es wird niemals aufhören, noch stammt es etwa erst von heute, sondern es ist das unsterbliche, nie alternde Begegnis der Be- griffe selbstin uns.“ (töv Adımv adt&v davatcv Tı xoi dyhpOv dos iv piv.) Wirklich ist auch innerhalb der scholastischen Philosophie das Interesse an dieser dialektischen Grundfrage nirgends erstor- ben, wenngleich ihr eigentlicher logischer Kern unter mannig- [achen dogmatischen Hüllen sich verbirgt. Auch Cusanus erfasst das Problem in dieser Begrenzung; die Schwierigkeit im Begriffe der Trinität, die Einheit der drei göttlichen Personen ist es, auf der sein Blick zunächst verweilt. Hier liegt sein innerer Zu-